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Von Normal bis Beauty

Porträtretusche ist eines der anspruchsvollsten Photoshop-Genres. Beauty-, Fashion- und Titelcover-Retuschen erfordern den Einsatz aller Programmfinessen. Welche Techniken Photoshop in petto hat und welche Details zu beachten sind, verrät der folgende Beitrag.

günter schuler Ob Alltagsfoto oder Titelcover in einer Hochglanzanzeige: Bei der Bearbeitung von Personenfotos gelten besondere Gesetzmässigkeiten. Die besonderen Gegebenheiten fangen bereits bei der Aufnahme an. Zunächst einmal unterteilt die Fotografie Personenaufnahmen in recht unterschiedliche Genres. Die wichtigsten: anlassbezogene sowie sonstige Alltagsaufnahmen, naturale Personenabbildungen, zweckorientierte Porträtfotos wie zum Beispiel Pass- und Bewerbungsfotos und schliesslich kommerzielle Fotoshootings – in der Regel mithilfe professioneller Models in Szene gesetzt. Der letzte Bereich unterscheidet sich vom Rest unter anderem auch durch den Aufwand, der betrieben wird. Die wichtigsten Weichen werden bereits am Aufnahmeset gestellt. Von der professionellen Studio- oder Aussenbeleuchtung bis hin zu Requisiten und Make-up – all das sollte bereits im Vorfeld stimmen.

Die Grundregeln ästhetisch und psychologisch ansprechender (respektive interessanter) Personenfotos gelten natürlich auch für die anderen Genres. Blickkontakt ist gut; ebenso ein Lächeln oder ein Blick, der professionelles Interesse signalisiert. Bei der Beauty-Retusche ist all das jedoch Grund­voraussetzung; die Arbeit am Rechner fängt sozusagen erst jenseits davon an. Wichtigster Schritt vor Beginn der eigentlichen Porträtretusche ist die Problemanalyse. Grundsatzfragen hier: Welche Art von Retusche steht überhaupt an? Bearbeite ich eine Charakteraufnahme, bei der die Eigenheiten der abgebildeten Person nach Möglichkeit erhalten bleiben sollen? Oder ist eine Hochglanzretusche mit der dazugehörenden Digitalillusionsmalerei das Ziel? Bevor man mit Photo­shop loslegt, empfiehlt sich eine Merkliste mit den Punkten, an denen man sich bei der anschliessenden Retusche orientiert. Hier eine kurze Auflistung typischer Problemzonen:

  • die Hautstruktur,
  • Falten, Hautunreinheiten und Ähnliches,
  • die Hautfarbe,
  • Eyecatcher: Zähne, Augen und Lippen,
  • Haare und Wimpern,
  • allgemeine Proportionen sowiesonstige Schönheitskorrekturen.

Hautretuschen sowie verwandte Korrekturen machen bei all dem den Löwenanteil aus. Die gute Nachricht: Einige Photoshop-Techniken rücken diesen Mankos sehr effektiv zu Leibe. Zusätzliche Techniken wie zum Beispiel Dodge and Burn dienen dem gezielten Herausarbeiten von mehr Plastizität – also dem gezielten Aufwerten des finalen Bildergebnisses. Der Schwierigkeitsgrad bei all dem ist recht unterschiedlich. Einige Techniken sind vergleichsweise einfach anwendbar. Dafür bringen sie nicht die hyperrealistischen Ergebnisse, wie sie bei Hochglanztiteln kultiviert werden. Um die anstehenden Probleme praktisch zu veranschaulichen, folgt hier ein Beispiel aus der Praxis.

Einfache Hautretusche­techniken

Hautretusche ist anspruchsvoll. Da sie gleichzeitig auch den meisten Arbeitsaufwand erfordert, ist es sinnvoll, mit diesem Bereich zu beginnen. Ziel dabei ist – sofern Sie nicht einen naturalen Look anvisieren und ein gewisses Level an Schönheitsfehlern bewusst belassen – eine möglichst makellose, ebenmässige Haut. Herausforderung dabei ist, die porige Hautstruktur keineswegs zum Verschwinden zu bringen. Da die Techniken, die dies bewerkstelligen, eine einigermassen profunde Programmerfahrung voraussetzen und arbeitstechnisch etwas aufwändiger sind, behelfen sich viele Anwender mit einfacheren Techniken. Gemeinsames Merkmal: Anstatt die Hautstruktur als solche zu verändern, wird ein Weichzeichnungsschleier, ein so genannter Softschleier über das Bild gelegt. Vorteil: Der Schleier überdeckt nicht nur Hautporen, Falten und Ähnliches. Er verleiht dem Bild eine weiche, leichte, nebelhafte Anmutung und ist – das Wichtigste – ohne viel Programmkenntnisse anwendbar. Als Erstes erfolgt ein digitales Make-up, bei dem die gröbsten Pickel und Unreinheiten mit dem Stempel- oder Reparaturpinsel-Werkzeug ausgestempelt werden. Technik: benachbarte intakte Stellen aufnehmen und mit Stempel oder Reparaturpinsel auftragen. Auf diese Weise werden die offensichtlichen Mankos im Bereich Haut zum Verschwinden gebracht.

Ohne grösseren Aufwand lässt sich meist auch das Erscheinungsbild der Hautfarbe verbessern. Im wirklichen Leben haben Hautpartien oft eine mehr oder weniger unterschiedliche Färbung. Überraschende Ergebnisse bringt hier oft eine Verrötung der Gelbtöne in Kombination mit einer Vergelbung der Rottöne – natürlich nicht im gesamten Bild, sondern lediglich im Bereich der Hauttöne. Vorbereitung: Über Auswahl > Farbbereich … wählen Sie mit der dort angebotenen Auswahlpipette einen typischen Hautton. Über den Regler für Toleranz stellen Sie den Auswahlbereich so ein, dass die Hauttöne weitestgehend erfasst sind. Im Anschluss legen Sie mit aktiver Auswahl eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung an. In der zweiten Aufklappliste sehen Sie zunächst die Angabe Standard, welche alle Farbbereiche umfasst. Hier wechseln Sie als Erstes zu Rottöne. Dort schieben Sie den Wert für Farbtöne leicht nach rechts, sodass die Rottöne etwas gelber werden. Das Gleiche machen Sie mit den Gelbtönen. Hier schieben Sie den Regler entsprechend nach links. Anvisiertes Ergebnis: ein ähnlicher Hautton wie im Original – allerdings deutlich einheitlicher als dort. Da die Farbveränderung auch Bereiche ausserhalb der Hauttöne tangiert, wechseln Sie im Anschluss in die Ebenenmaske der Einstellungsebene und malen mit einer grossen weichen Pinselspitze die Bereiche der Maske, die über die Hautbereiche herausragen, schwarz aus.

Die restlichen Unebenheiten werden mittels einer Softschleierebe­ne weichgezeichnet. Da zu diesem Zweck zunächst eine Ebenenkopie des Bildes erzeugt wird, ist es sinnvoll, zuvor erstellte Ebenen auf die Hintergrundebene zu reduzieren. Die weitere Vorgehensweise: Nachdem Sie mit Befehlstaste + J eine Ebenenkopie des Bildes erzeugt haben, zeichnen Sie diese mit dem Gaussschen Weichzeichner weich. Der optimale Radius hängt sowohl von der Bildgrösse als auch von der angestrebten Wirkung ab. Moderate Werte zwischen 5 und 20 Pixel wirken eher glättend. Bei hohen Werten wie zum Beispiel 50 oder 80 verstärkt sich die neblige Wirkung. Zusätzlich treten Details wieder stärker hervor. Voraussetzung für die angestrebte Wirkung ist eine Reduzierung der Ebenendeckkraft auf 20 bis 50 Prozent. Wie stark reduziert wird, hängt unter anderem vom gewählten Weichzeichnungsradius ab. Sinnvolle Kombinationen: höhere Radien plus weniger Deckkraft, geringere Radien mit entsprechend mehr Deckkraft.

Verfeinern lässt sich die Softschleiertechnik auf unterschiedliche Weise. Eine ist die Kombination mit einer kontrastverstärkenden Füllmethode, etwa Weiches Licht. Sinnvoller Deckkraftwert hier: 100 Prozent. Ergebnis: eine stärker kontrastbetonte Bildvariante, die je nach Motiv recht zeitgeistig wirken kann. Alternativ lassen sich die Einstellungen der Weichzeichnungsebene auch über die Fülloptionen verändern. Aufgerufen werden sie über einfaches Doppelklicken der Ebene. Vorteil hier, die beiden Regler unter Farbbereich bieten die Möglichkeit, die Deckkraft der Ebene von den Helligkeitswerten abhängig zu machen – und zwar wahlweise von denen der weichgezeichneten Ebene und denen der Originalebene. Um einen gleichförmigen Übergang zwischen hellen und dunklen Tönen zu erzielen, ziehen Sie (bei Ausgangsbasis 100 Prozent Deckkraft unter Allgemeine Füllmethode) mit gehaltener ALT-/Optionstaste an den schwarzen und halben Halbdreiecken. Effekt: Die hellen beziehungsweise die dunklen Töne werden durch das Ziehen gesplittet. Ein Übergang entsteht. Ob Sie eher die Schwarz- oder eher die Weisstöne verändern, bleibt Ihnen überlassen. Ebenso, ob Sie eher die Übergänge der Weichzeichnungsebene verändern oder die der darunterliegenden Ebene(n).

Fortgeschrittene Hautretuschetechniken

Fortgeschrittene Techniken zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nicht mit dem Überdecken von Hautunreinheiten begnügen. Vielmehr verändern sie die Hautstruktur als solche. Eine dieser Profitechniken verwendet dazu eine invertierte Ebenenkopie des Originalbildes, die im Anschluss mit dem Filter Hochpass bearbeitet und weichgezeichnet wird. Um die Auswirkung auf die Hautbereiche zu beschränken, ist es bei Anwendung dieser Technik sinnvoll, flankierend eine Ebenenmaske anzulegen und die Nichthautbereiche mit einer grossen weichen Pinselspitze und schwarzer Farbe auszumalen. Als Nächstes wird die Ebene invertiert und mit der Füllmethode Strahlendes Licht versehen. Die eigentliche Hautporenglättung erfolgt durch Einsatz der beiden Filter Hochpass und Gaussscher Weichzeichner. Ziel beim Einsatz des Hochpass-Filters (respektive dem Einstellen des Werts für Radius) sollte eine gleichmässige, ebenförmige Wirkung der Hautstruktur sein. Um die feinen Hautporen wieder sichtbar zu machen, erfolgt im Anschluss eine Mikroscharfzeichnung mit dem Filter Gaussscher Weichzeichner. Oft zeigen sich bei dieser Technik unschöne Halo-Säume an einigen Konturen. Angehen lassen sich diese durch eine Reduzierung des Tonwertumfangs über Tonwertkorrektur – indem man den schwarzen und weissen Regler so weit in Richtung Mitte zieht, bis die Halo-Ränder verschwunden sind. Ergebnis der beschriebenen Technik: eine ebenmässigere Hautstruktur, ohne dass Details durch Weichzeichnung verschwinden.

Eine ähnliche Herangehensweise offeriert die Methode der Frequenztrennung. Hierbei wird das Bild in niedrigfrequente Bereiche mit den Flächen- und in hochfrequente Bereiche mit den Konturinformationen aufgesplittet. Als Erstes werden zwei Ebenenkopien des Originalbildes erzeugt. Name der unteren Ebene: LOW. Name der oberen Ebene: HIGH. Als Zweites werden die Flächenbereiche der niedrigfrequenten Ebene (LOW) mit einem Weichzeichnungsfilter (Gaussscher Weichzeichner oder Helligkeit interpolieren) weichgezeichnet. Als Radiuswert sind 5 bis 20 Pixel sinnvoll. Niedrige Werte bewirken ein ebenmässigeres, eventuell jedoch leicht künstliches Hautbild. Die hochfrequente Ebene (HIGH) wird nunmehr über den Befehl Bildberechnung im Menü Bild fertiggestellt. Die genauen Parameter der Bildberechnung hängen von der Farbtiefe des Bildes ab. Bei 16-Bit-Bildern kommt die Füllmethode Addieren zur Anwendung, der Skalierungsfaktor 2 und der Versatzwert 0,bei 8-Bit-Bildern die Füllmethode Subtrahieren, als Skalierungsfaktor ebenfalls zwei und als Versatzwert 128. Abschliessend wird die Ebene HIGH auf die Füllmethode Lineares Licht gesetzt.

Ergebnis der vorangegangenen Operationen: Die Bildinformationen liegen nun in gesplitteter Form vor. Das neue Gesamtbild ergibt sich durch die Füllmethode Lineares Licht und ist – zunächst einmal – identisch mit dem Originalbild. Vorteil dieser Konstellation: Hautunreinheiten und Hautstruktur lassen sich getrennt voneinander angehen. Vorgehensweise: Gröbere Unreinheiten werden in der Ebene HIGH ausgestempelt. Die eigentliche Glättung der Haut erfolgt in der unteren Ebene (LOW). Vorgehensweise: Mit dem Lasso-Werkzeug und einer weichen Auswahlkante (20 bis 30 Pixel) werden grobporige beziehungsweise zu verbessernde Hautpartien ausgewählt und mit einem Weichzeichnungsfilter weichgezeichnet. Je nach Stärke der Weichzeichnung werden zusätzlich auch kleinere und grössere Falten geglättet. Nicht weichgezeichnet werden hingegen die feinporigen Hautstrukturen. Der Grund: Sie liegen in der oberen Ebene und sind durch diese geschützt.

Optimierungspotenzial: Haut, Zähne, Lippen

Ob man die Kleindetails vor der Hautretusche in Angriff nimmt oder erst danach, ist Abwägungssache. Grundsätzlich gilt: Lippen, Augen, die Pupillen im Besonderen, und Zähne sind Blickfänger und verdienen in jedem Fall besondere Aufmerksamkeit. Rezept für die digitale Zahnbehandlung: Als Erstes wählen Sie mit dem Lasso-Werkzeug den Bereich der Zähne aus. Die Auswahl braucht nur einigermassen genau zu sein. Die Aufweissung der Zähne erfolgt über das Tool Farbton/Sättigung – durch Ansteuerung der Gelbtöne und Erhöhung des Helligkeitswerts, bis ein natural weisser, noch natural wirkender Zahnweisston entsteht. Auf eine ähnliche Weise kann auch das Weiss in den Augenbereichen optimiert werden. Alternativ kann die Aufhellung hier über Tonwertkorrektur erfolgen – indem man beispielsweise einen Weisspunkt-Referenzton mit der Pipette aufnimmt und das Ergebnis so verblasst, dass das Augenweiss noch natural wirkt. Bei den Pupillen ist in der Regel eine leichte Kontrastverstärkung sinnvoll. Erzeugen lässt sich diese durch eine Auswahl der Pupillen, das anschliessende Erstellen einer Ebenenkopie der Auswahl und die Zuweisung einer kontrastverstärkenden Füllmethode wie Weiches Licht.

Auf ähnliche Weise wird auch die Farbe von Lippen optimiert. Je nach anvisiertem Endprodukt wird oft eine dunklere und rötere Tönung angestrebt. Vorgehensweise: eine möglichst präzise Auswahl der Lippen mit dem Lasso, zusätzlich eine Farbbereichsauswahl innerhalb der Auswahl mit Auswahl > Farbbereich. Die Farbe als solche kann recht effektiv mit Farbton/Sättigung verändert werden – indem man die Sättigung der Rottöne erhöht und gleichzeitig ihre Helligkeit verringert, bis der Farbton passt. Ergänzend können auch die Gelbbereiche röter gemacht und ebenso verändert werden. Alternativ kann die Auswahl mit den Lippen auf eine eigene Ebene gestellt und mit der Füllmethode Weiches Licht versehen werden. Je nach Fall empfiehlt sich unter Umständen eine leichte Weichzeichnung dieser Ebene.

Vom Porträtfoto zum Gesamtkunstwerk

Die abschliessenden Arbeiten bei Beauty-Retuschen gliedern sich in zwei Stationen: a) das Feinmodellieren der Hauttönung und der Gesichtspartien insgesamt, b) das Erzeugen einer stimmigen, zum Bildziel passenden Farb- und Kontraststimmung. Eine einheitlichere Hauttönung kann entweder über die im vorletzten Abschnitt beschriebene Technik der Angleichung von Rot- und Gelbtönen erzielt werden oder über das Arbeiten mit einem Referenzton. Aufgenommen werden kann dieser entweder im Bild selbst oder aber aus einer Referenzfarbtabelle. Die Farbe selbst wird in Form einer Farbfüll­ebene zugewiesen. Die Ebene wird auf die Füllmethode Farbe gestellt. Zusätzlich empfiehlt sich eine Reduzierung der Deckkraft. Um die ausserhalb der Haut liegenden Bereiche nicht mitzutönen, ist auch hier eine Ebenenmaske ganz praktisch. In dieser deckt man alle Bereiche, die nicht zur Haut gehören, mit einem grossen weichen Pinsel und schwarzer Farbe ab.

Beim Herausarbeiten von Details beziehungsweise dem Hervormodellieren von Wangenknochen, Kinn, Stirn sowie anderen Gesichtspartien greifen viele Retuscheprofis auf die Dodge-and-Burn-Technik zurück. Dodge and Burn (deutsch: Abwedeln und Nachbelichten) ist ein Sammelbegriff für Techniken, welche zum Ziel haben, lokale Bildpartien abzudunkeln oder aber heller zu machen. Photoshop enthält zu diesem Zweck einige Werkzeuge. Mehr Kontrolle ermöglicht allerdings eine speziell für diesen Zweck eingerichtete Ebene. Mit neutralgrauer Farbe gefüllt und auf eine kontrastverstärkende Füllmethode wie Weiches Licht gestellt, eignet sich diese Ebene zum Aufmalen schwarzer (= abdunkelnder, nachbelichtender) sowie weis­ser (= aufhellender, abwedelnder) Bildpartien. Die Auftragspinselspitze sollte in der Regel weich und gross sein. Ein Reduzieren der Auftragsdeckkraft ist unter Umständen sinnvoll. Ebenso kann man jedoch die Deckkraft der Dogde-and-Burn-Ebene reduzieren. Was hellt man auf, was dunkelt man ab? Aufhellkandidaten sind in der Regel Wangen, Stirn und Kinn. Abdunkeln hingegen ist meist entlang von Konturen sinnvoll. Verwenden lässt sich die Dodge-and-Burn-Technik auch zum «Abpudern» unerwünschter Glanzpartien, zum Beispiel auf der Stirn oder der Nasenspitze. In dem Fall werden helle Bereiche nachgedunkelt. Erwünschten Glanz nachtragen kann man durch gezielte Spots – zum Beispiel bei den Pupillen oder den Lippen.

Was am Ende bleibt, ist der letzte Schliff – konkret: die allgemeine Farbstimmung und die Kontraste. Was hier getan (oder unterlassen) wird, hängt vom anvisierten Endergebnis ab. Bilder für Werbekampagnen etwa kommen oft mit einem ätherisch-überstrahlten Cyanblau-Grundton daher. Bei Hochglanz-Titelbildern hingegen sind meist wenige, dafür jedoch kräftige Farbtöne gefragt. Bei der finalen Version des Beispielbildes wurde mit Cyan getönt (Einstellungsebene Farbbalance). Er­gänzend hinzu kamen ein Beleuchtungsspot, ein Blendenfleck sowie eine abdunkelnde Vignette an den Bildrändern. Ergebnis: Die Veränderungen im Gesamten sind geradezu dramatisch – wie die Gegenüberstellung von Ausgangsbild und Ergebnis zeigt.

Fazit

Retusche – insbesondere, wenn es «beauty» sein soll – ist per se aufwändig. In grossen Agenturen wird bei wichtigen Kampagnen durchaus mit einigen Tagen, mitunter sogar mit Wochen kalkuliert. Auch «normale», weniger auf Perfektion getrimmte Retuschen können schnell mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Andererseits bleibt die Entscheidung, wie weit Sie mit der Bearbeitung gehen, welche Technik(en) Sie verwenden und wie viel Zeit Sie dafür investieren, Ihnen überlassen. Das Baukastenset – oder besser: der digitale Schminktisch – bietet jede Menge Möglichkeiten, unterschiedliche Einzeltechniken miteinander zu kombinieren.

Weiches LichtFarbton/Sättigung.HochpassHochpassGausssche WeichzeichnerStempelReparaturpinsel

Natural oder glamourös?

Porträtretusche ist nicht gleich Porträtretusche. Was genau ansteht, kann im Detail erheblich voneinander abweichen – je nachdem, welches Genre mit der Nachoptimierung bedient werden soll. In der kommerziellen Profifotografie kursieren vor allem vier Begriffe: Beauty, Fashion, Lifestyle und Glamour. Die Unterschiede sind vor allem konzeptioneller Natur. Beauty und Fashion liegen, ergebnistechnisch betrachtet, recht nahe beieinander. In beiden Fällen rückt das Model beziehungsweise seine konkreten Eigenarten in den Hintergrund zugunsten einer idealisierten, ästhetisch perfektionierten Bildaussage. Während bei der Beauty-Fotografie das Bild im Allgemeinen stärker im Vordergrund steht, ist der Begriff Fashion stärker mit Produkten wie zum Beispiel Kleidung oder Schmuck verbunden.

Lifestyle und Glamour sind das zweite Begriffspaar. Lifestyle meint die Inszenierung eines bestimmten Lebensstils. Glamour assoziiert den Glanz von Hollywood und Jetset. Gemeinsam haben beide Begriffe, dass sie stärker charakterliche Eigenheiten des Models in den Vordergrund rücken beziehungsweise einen bestimmten Stil (etwa einen bestimmten Retrostyle). Perfektion streben sie – auf unterschiedliche Weise – ebenfalls an: entweder in Form einer cool wirkenden Inszenierung oder in Form einer Pin-Up-ähnlichen Darbietung. Darüber hinaus gilt es, das Gros der Personenbilder nicht aus dem Auge zu verlieren, das nicht in die aufgeführten Rubriken fällt. Nachbearbeitungstechnisch machen sie am wenigsten Aufwand. Allerdings ist auch hier darauf zu achten, dass die abgebildeten Personen klar und technisch einwandfrei rüberkommen.

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