Auf die Aufnahme kommt es an
Die Aufnahme entscheidet über die Qualität der Bildbearbeitung
Mit Adobe Photoshop lassen sich viele Bildmankos ausgleichen. Professionelle Bildbearbeitungsanwendungen begünstigen jedoch nicht schlechte, sondern gute Bilder. Die Weichenstellungen findet also bei der Aufnahme statt. Auf welche Faktoren kommt es an?GÜNTER SCHULER Everybody is a publisher: Das alte Versprechen des Desktop Publishing hat sich seit einigen Jahren auf eine weitere Berufsgruppe ausgedehnt – die Fotografen. Waren Fotoerstellung und Bildbearbeitung noch Ende der Neunziger zwei deutlich voneinander abgegrenzte Bereiche, werden Fotos heute bereits beim Fotografieren als Bilddaten aufgenommen. Ökonomisch gesehen profitieren Consumer und Profis von der Innovation Digitalfotografie gleichermassen. Der Consumer spart sich im Wesentlichen das teure Filmmaterial. In der professionellen Medienproduktion hingegen verkürzte die Etablierung der Digitalfotografie den bis Ende der Neunziger gültigen Workflow gleich um zwei Stationen: die Filmentwicklung und das Einscannen. Konsequenzen hat diese Entwicklung auch für die Bildbearbeitung. Dass Fotografie und digitale Bildoptimierung heute eng aneinander gebaut sind, davon zeugen nicht zuletzt die wesentlichen Neuerungen der marktbeherrschenden Profisoftware Photoshop: Bridge, Camera Raw, Tiefen/Lichter, neue Fotobearbeitungsfilter und ein hochdynamischer Farbumfang (HDR) mit 32 Bit Farbtiefe.
Ohne Licht geht nichts
Die Herausforderungen der Fotografie sind mit denen der Bildbearbeitung heutzutage zwar eng verzahnt. Ihre technischen Grundbedingungen haben sich jedoch in den letzten hundert Jahren so gut wie nicht verändert. Wichtigste Voraussetzung einer Fotoaufnahme ist nach wie vor das Licht. Die Techniken, mit denen die jeweiligen Lichtverhältnisse auf einen Bildträger (Film oder Kamerachip) «gemalt» werden, mögen sich verfeinert und modifiziert haben – ohne Licht geht in der Fotografie jedoch nach wie vor nichts. Sind die Lichtverhältnisse und natürlich das, was der Fotograf mithilfe der Kamera daraus macht, in Ordnung, liefert das Betätigen des Auslösers Abbildungen, die nach unserem Empfinden realistisch sind. Sollen sie darüber hinaus gut sein oder gewisse ästhetische Standards befriedigen, sind zusätzliche Kompositions- und Arrangementregeln zu beachten – gestalterische Gesetzmässigkeiten, die sich mit denen in Grafikdesign, Kunst, Typografie und allgemeiner Mediengestaltung durchaus vergleichen lassen.
Bildästhetisch gesehen bestimmen fünf Faktoren ein gelungenes Bild: Helligkeit, Kontrast, Detailhaltigkeit, Schärfe und Farben. Helligkeit meint dabei ausgewogene Hell-Dunkel-Verhältnisse: Das Bild in seiner Gesamtheit sollte weder zu dunkel noch zu hell sein; vielmehr sollte man es gut und auf Anhieb erkennen. Kontrast beschreibt Abgrenzung und Durchdringung von hellen und dunklen Bildpartien. Gemeinhin gilt, dass die Dynamik zwischen Hell und Dunkel angemessen ausgereizt werden sollte, damit Bilder nicht flau (= kontrastarm) wirken. Detailhaltigkeit und Schärfe hängen mit dem Kontrast zwar eng zusammen. Im Hinblick auf die Analyse einer Bildqualität sind sie allerdings eigenständige Faktoren. Der Begriff Detailhaltigkeit markiert dabei, wie viele Details – etwa in feinen Bildstrukturen – die Abbildung enthält. Der Begriff Schärfe hingegen kennzeichnet vor allem die Deutlichkeit der Bildkonturen. Ein Thema für sich ist schliesslich die Farbe. In der konventionellen Fotografie gehen die Ansprüche dahin, dass die Bildfarben einigermassen naturgetreu die Farbgebung der Originalszene widerspiegeln sollten. Über die Frage, wie diese adäquat wiedergegeben werden kann und ob sich diese Herausforderung mit technischen Kriterien allein bewältigen lässt, gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen. Weitgehende Einigkeit besteht immerhin darüber, dass technikbedingte Verfälschungen der Farbgebung – so genannte Farbstiche – in der professionellen Fotografie zu vermeiden sind.
Malen mit Licht: Kamerafaktoren
Die alte Regel der digitalen Bildoptimierung gilt beim Umgang mit digital erzeugtem Fotomaterial verstärkt: Am effektivsten steigern lassen sich die Chancen auf ein gutes Bild direkt an der Quelle. Kurzum: Je schärfer, detailhaltiger und durchzeichneter die «Uraufnahme» ist, desto mehr Optimierungspotenzial besteht auch in der Bildbearbeitung. Leider funktioniert Fotografieren nur bedingt nach den Gesetzen der digitalen Bildoptimierung. Vorgeschaltet sind einige andere Werte, die an einer Kamera einzustellen sind. Welche Möglichkeiten diese Einstellparameter und Hardware-Komponenten im Detail bieten und welche Ausstattung eine Kamera überhaupt aufweist, hängt natürlich stark von Kameratyp und Preisklasse ab. In der Regel bieten Digital-SLRs der Mittel- und Oberklasse mehr Auflösung, mehr Licht-/Blenden-Regulierung, flexiblere Optik und mehr Features als einfache Consumermodelle. Ganz oben, in der fünfstelligen Preisklasse professioneller Mittel- oder gar Grossformatfotografen, sind immer noch analoge Modelle angesagt – allerdings aufgerüstet mit digitalem Kamerarückteil. Essenziell sind für das Erstellen digitaler Aufnahmen jedoch neun Faktoren: Auflösung, Farbtiefe und Farbdichte, Brennweite, Blende und Belichtungszeit sowie ISO-Wert, Weissabgleich und Belichtungsstufe. Sehen wir uns die aufgeführten Kamerasteuerungselemente etwas genauer an:
Auflösung, Farbtiefe und Farbdichte
Der Faktor Auflösung hat sich bei der Berichterstattung über neue Kameramodelle als das Qualitätsmerkmal schlechthin etabliert. Aktuelle Schallgrenze im kaufkräftigen mittleren Marktsegment sind 8 bis 10 Megapixel; High-End-Modelle wie die Mark II DS von Canon operieren bereits im Bereich zwischen 15 und 20 Megapixel. Vergröbert ausgedrückt markiert die maximale Auflösung eines Kameramodells, wie gross eine Aufnahme sinnvollerweise wiedergegeben werden kann. Eine Druckauflösung von 300 Pixel pro Inch (ppi) vorausgesetzt, bedeutet dies, dass ein aktuelles Modell der Midrange-Kameraklasse in der Lage ist, druckbare Daten bis hin zum Format A4 zu liefern. Die beiden Indikatoren Farbtiefe und Farbdichte machen sich weniger spektakulär bemerkbar. Die Farbtiefe eines Modells, angezeigt in 8, 12 oder 16 Bit pro Farbkanal, entscheidet darüber, wie viele Farbnuancierungen in einem Bild theoretisch abgespeichert werden können. 12 bis 16 Bit sind bei Kameras im mittleren Segment und bei der Abspeicherung im Rohdatenformat (RAW) mittlerweile obligatorisch. Die bei Consumerkameras gängigen JPEG-Bilder hingegen offerieren lediglich eine Farbtiefe von 8 Bit – 256 Helligkeitsstufen pro Farbkanal. Insbesondere beim Optimieren von Problemfällen kann man damit schnell an Grenzen stossen: Tonwerte brechen aus. Nicht unwichtig ist schliesslich der Faktor Farbdichte. Er kennzeichnet den Dynamikbereich, innerhalb dessen die Kamera imstande ist, in einem Bereich ähnlicher Töne Differenzen zu erkennen und auf den Chip zu bannen. Alles nur schwarz in den Tiefen oder erkennbare Nuancierungen – der Dynamikbereich eines Kameramodells ist für diese Detailsehschärfe nicht unwesentlich mitverantwortlich.
Brennweite, Blende und Belichtungszeit
Die drei klassischen Ingredienzen der Fotografie werden zu wesentlichen Teilen nicht von der Kamera an sich bestimmt, sondern vielmehr vom Objektiv. Dessen Brennweite reicht (theoretisch) vom Fisheyeobjektiv mit einem Abbildungswinkel von 180° und mehr bis hin zu extremen Teleobjektiven, mit denen sich Bildbereiche ganz nah heranholen lassen. Grob klassifiziert kennzeichnen kleine Objektivbrennweiten (bis zu 30) dabei den Weitwinkelbereich, mittlere (30 bis 70) den Normalbereich und hohe (über 70) den Telebereich. Wichtig bei der Ermittlung der Realbrennweite ist zusätzlich auch das Grössenformat des Bildträgers. Bei den meisten Digitalkameras fällt dieser grösser aus als bei ihren analogen Pendants; darum spricht man auch von einem Verlängerungsfaktor. So hat alles seine Vor- und Nachteile: Während Digitalfotografen im Telebereich von diesem Verlängerungsfaktor profitieren, sind im Weitwinkelbereich Abstriche fällig. Faktor zwei, die Blende, reguliert die Lichtmenge, mit der eine Aufnahme belichtet wird: Grosse oder offene Blende (kleine Blendenzahl wie etwa 2,8) bedeutet grosse Lichtmenge, kleine oder geschlossene Blende (grosse Blendenzahl wie etwa 16) bedeutet eine vergleichsweise geringe Lichtmenge. In der Fotografie steht das Duo Blende und Belichtungszeit in einem sehr engen Verhältnis: Je offener die Blende, desto weniger Belichtungszeit wird benötigt – und umgekehrt. Abhängig ist diese Kombination allerdings noch von weiteren Kamerafaktoren: dem ISO-Wert, der Belichtungsstufe sowie der Brennweite. Günstige Kombinationen ermöglicht die Brennweite vor allem im Weitwinkel- und Normalbereich, weniger günstige im Telebereich und bei Zoom-Objektiven – ein wesentlicher Grund, warum professionelle Fotografen lichtstarke Objekte mit Festbrennweiten den lichtschwächeren Zoomobjektiven vorziehen.
ISO-Wert, Belichtungsstufe und Weissabgleich
Der ISO-Wert kennzeichnete in der analogen Ära die Empfindlichkeit des Films. Wenig empfindliche Filme (etwa: ISO 100) ermöglichten sehr genaue, detaillierte Abbildungen. Bei hochempfindlichen hingegen (etwa: ISO 1600) war das Filmkorn deutlich zu erkennen. Ihr Vorteil bestand in der Hauptsache darin, dass sie auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch aufnahmegeeignete Blenden/Zeit-Kombinationen lieferten. Geändert hat sich bei Digitalkameras lediglich die Struktur des in Kauf zu nehmenden Nachteils: Anstatt Filmkorn drängt sich in digitalen Aufnahmen zunehmendes Rauschen unangenehm in den Vordergrund. Am nachhaltigsten reduziert man dies durch Verringerung der ISO-Einstellung. Eine Alternative, um günstigere Zeit/Blenden-Kombinationen zu ermitteln, ist eine Veränderung der Belichtungsstufe. Auch dieses Mittel ist aus der analogen Fotografie bekannt. Analoge Aufnahmen ermöglichten das Pushen forcierter Unterbelichtungen bei der Entwicklung. Digitalfotografen setzen dieses Mittel ebenfalls vor allem zur Optimierung der dunklen Bildbereiche ein. Der Unterschied: Das Pushen geschieht nun nicht mehr im Labor, sondern während der Bildbearbeitung in Photoshop & Co. Letzte Qualitätsschraube bei Kameras ist schliesslich die Einstellung für den Weissabgleich. Er betrifft vor allem die Farbgebung eines Bildes. Grob gesprochen ermöglicht der Weissabgleich eine Referenz für die allgemeine Lichttemperatur – die ja, abhängig von Tages-, Abend- oder Kunstlicht – stark variieren kann.
Keine Probleme bei optimalen Lichtverhältnissen
Welcher Kamerafaktor ist nun für welchen Bildqualitätsfaktor verantwortlich? Die richtige Anwort lautet leider: immer mehrere. Sehen wir uns das Zusammenspiel der aufgeführten Kamerafaktoren im Hinblick auf die fünf Bildqualitätsfaktoren Helligkeit, Kontrast, Detailhaltigkeit, Schärfe und Farbe näher an. Bei guten Aufnahmebedingungen (Beispiel: Tageslicht, Modulierung der Bildkontraste durch die Sonne; ausgeglichene und nicht zu starke Kontrastverhältnisse; das Motiv ist eine Landschaft ohne starke Bewegungen) sind Brennweite, Blende und Belichtungszeit in hohem Masse variabel. Eine automatische Weissabgleich-Einstellung dürfte in den meisten Fällen genügen. Forcierte Unterbelichtung oder ein Erhöhen des ISO-Werts sind nicht erforderlich. Ergebnis: Wird die Aufnahme nicht verwackelt (wogegen Abstützen oder ein Stativ Abhilfe leisten können), dürften vier der fünf Faktoren zufriedenstellend bis gut ausfallen. Unterschiedlich gut fällt das Ergebnis lediglich in Bezug auf die Detailhaltigkeit aus. Der Grund: Die kameraeigenen Faktoren, maximale Auflösung, Farbtiefe und Farbdichte, sind modellbedingt und lassen sich durch Aufnahmekniffe nicht zusätzlich steigern.
Problematische Konstellationen
Problematischer ist die Abbildung der Realität bei drei typischen fotografischen Problemkonstellationen: bei zu viel Kontrast, bei Gegenlicht und bei zu wenig Licht. Bei zu hohem Kontrastumfang (Beispiel: ein nur notdürftig ausgeleuchteter, dunkler Hauseingang in tagesheller Hausfront) wird die Belichtungsmessung einer normalen Kamera überfordert. Manuelle wie automatische Belichtungsmessung bieten hier lediglich Kompromisse an: entweder ausbrechende Lichter in den hellen Bereichen und einigermassen durchzeichnete Tiefen oder aber durchzeichnete Lichter und unischwarze Tiefenbereiche. Belichtungstechnisch eine ähnliche Konstellation sind Aufnahmen bei Gegenlicht. Da die Lichtquelle (Sonne oder Lampe) direkt in die Kamera strahlt, werden die abgebildeten Motive tendenziell zu dunklen Silhouetten. Für beide Problemkonstellationen offeriert die Profibildbearbeitung Photoshop mittlerweile recht wirkungsmächtige Korrekturtools: auf der einen Seite die gelegentlich als «digitaler Aufhellblitz» bezeichnete Funktion Tiefen/Lichter, auf der anderen Seite die seit Version CS2 offerierte Farbtiefe 32 Bit. Features wie Farbmodusoptionen eignen sich recht gut dazu, Details in unterbelichteten Bildpartien am heimischen Rechner posthum herauszuarbeiten. Allerdings: Da die Detailgenerierung unter Zuhilfenahme mathematischer Algoritmen erfolgt, enden ab einem bestimmten Punkt auch die Möglichkeiten von Tiefen/Lichter und 32-Bit-Modus.
Mehr Pixel helfen bei Rauschen nicht
Dass sich Bilddetails nur beschränkt restaurieren lassen, gilt verstärkt bei Problemkonstellation Nummer drei – Aufnahmen bei zu wenig Licht. Hohe ISO-Werte, gelegentlich zusätzlich verstärkt durch forcierte Reduzierung der Belichtungsstufe um den Faktor ein halb oder eins, sorgen zwar – kombiniert mit einer grossen Blende für verwacklungsfreie Belichtungszeiten. Zur Herausforderung wird später jedoch die Eliminierung des Bildrauschens. Auch hier liefern Photoshop sowie Drittanbietermodule wie Reduce Noise oder Noise Ninja erstklassige Gegenmittel. In Bezug auf die Bilddetails kann der Schaden, sprich die unabkömmliche Weichzeichnung so allenfalls in Grenzen gehalten werden. Fazit: Bilder mit ISO-Werten von 800 oder gar 1600 eignen sich ausgabetechnisch allenfalls für die Hälfte der durch die Kameraauflösung festgelegten Maximalgrösse – und selbst das nur im günstigen Fall. Hinzu kommt:, dass auch mehr Kameramodell-Auflösung gegen Rauschen nicht wirklich hilft. Der Grund: Das zu Beitragsbeginn erwähnte Wettrüsten der Kamerahersteller an der Auflösungsfront vollzieht sich aktuell im Wesentlichen auf der Basis gleichbleibender Chipgrössen. Ab einem gewissen Punkt jedoch werden die zusammengequetschten, immer kleineren Pixel unzuverlässig. Statt immer mehr Details abzubilden, kann die Kamera die vielen Details nicht mehr klar abgegrenzt abbilden. Dies ist ein weiterer Rauschfaktor, welcher der Durchbrechung weiterer Megapixel-Schallmauern gegenwärtig klare Riegel vorschiebt. Nebenwirkungsbehaftet ist auch das vor allem im Consumerbereich bevorzugte Allroundhilfsmittel «Blitzen, wenn es dunkel ist». Gegen Rauschen hilft Blitzen allenfalls dann, wenn auch der ISO-Wert gleichzeitig heruntergefahren wird. Für das Aufhellen nächtlich-dunkler Szenarien hingegen bietet Photoshop bessere Verfahren. Ästhetisch gesehen sind darüber hinaus vier Fünftel aller Fotoblitze nicht bildverbessernd, sondern eher Bildstimmungskiller – und das nicht nur wegen der roten Augen.
Verkleinern nützt meist
Angesichts der aufgeführten Unzulänglichkeiten ist die Bordapotheke von Bildbearbeitungsanwendungen wie Photoshop recht gut gerüstet: Gegen ISO-verursachtes Rauschen hilft – neben Rauschfiltern – letzten Endes nur Verkleinern. Zugelaufene Tiefen hingegen lassen sich mit der Funktion Tiefen/Lichter sehr effektiv aufhellen. Für mehr Dynamikumfang sorgen Mehrfachbelichtungen, die über die Funktion «Zu HDR zusammenfügen» zu einem Bild vereint werden; alternativ können hier Ebenen und weiche Auswahlen gute Dienste leisten. Was die Detailrestaurierung angeht, offeriert die Profibildbearbeitung mittlerweile recht fortgeschrittene Funktionen. Auch das Optimieren normaler Helligkeits- und Kontrastverhältnisse bereitet in Photoshop & Co. keine Schwierigkeiten. Anders sieht es im Bereich der Scharfzeichnung aus. So lange Aufnahmen eine einigermassen ausgeprägte Grundschärfe mitbringen, funktioniert der Standardfilter «Unscharf maskieren» tadellos. Bildbearbeitungs-Cracks und Fotoästheten können darüber hinaus mit fortgeschrittenen Scharfzeichnungstechniken die finale Bildschärfe akzuentuieren und modellieren (siehe auch Publisher 5-06). Wurde die Aufnahme jedoch verwackelt (etwa, weil die Belichtungszeit doch ein klein wenig zu lang war), können auch Expertfilter wie der «Selektive Scharfzeichner» nur noch Schadensbegrenzung vornehmen. Der beste Rat, der auch hier zu geben ist: verkleinern. Eine generelle Regel der Bildbearbeitung lautet nämlich: Was in A4 noch vorwiegend fotografische Mankos zum Besten gibt, kann – auf Postkartengrösse verkleinert – wunderbar und knackig in jeder Beziehung aussehen.
Last but not least
Leicht zu bedienende Hilfsmittel hat Photoshop insbesondere bei der Korrektur temporärer Abbildungsfehler in petto. Vignettierungen (abgedunkelte Bildecken, vor allem auftretend bei der Verwendung von Weitwinkelobjektiven oder beim Fotografieren ohne Sonnenblende), chromatische Abberation (leichte Farb-Halos, die ähnlich aussehen wie verschobene Farbkanäle) oder objektivbedingte Verzeichnungen lassen sich mittlerweile ohne grösseren Aufwand korrigieren. Dies gilt auch für einige Fehler, die weniger technik- als vielmehr ästhetikbedingt sind. So lautet eine Gestaltungsgrundregel der Fotografie, dass der Blickfänger eines Bildes nicht in der Mitte, sondern auf der oberen, unteren, rechten oder linken Dritteleinteilung liegen sollte. Lässt die Auflösung einer digitalen Aufnahme das zu, kann man den finalen Bildausschnitt in aller Ruhe am Rechner festlegen. Vor allem kleine Bildversionen geben hier recht viel Spielraum. Schwieriger wird es mit den Kompositionsregeln für Bilddynamik und selektive Schärfe. Kompositorischer Bildmittelpunkt und Schärfentiefe lassen sich via Autofokus und Blendenöffnung zwar wesentlich mitsteuern. Fehlendes Gespür hierfür lässt sich im Nachhinein allerdings nur mit viel Aufwand in ein Bild hineinrechnen. Zur Not bietet Photoshop zwar das komplette Montageprogramm: Vordergrund und Hintergrund auseinandermontieren, mit fremden Bildelementen nachbessern, selektiv weichzeichnen bzw. Bewegungsunschärfe-Effekt hineinrechnen. Überzeugen kann das Gros solcher Werke jedoch allenfalls als digital arrangierte Kunstwelt – also als optische Täuschung. Zugegeben, Adobes Liebling aller Bildbearbeiter ist auf diesem Weg bereits weit gediehen. Aber als Korrekturmassnahme für schlecht fotografierte Aufnahmen bleibt der Aufwand aussen vor. So gilt auch im Zeitalter der digitalen Fotografie die alte Regel: Gut fotografiert ist besser als schlecht korrigiert.




