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Entwicklungsland Schweiz

Journalisten und Medien neigen zu Negativmeldungen: Amokläufer, Jugendgewalt, Pandemien, Abfallberge, Voldemort und Dokusoaps faszinieren anscheinend mehr als das, was wir am eigenen Leib erfahren.

Ralf Turtschi In Zeiten grosser Unsicherheit, beispielsweise in der Frage, ob die sechs Mondlandungen gefaked waren oder tatsächlich stattgefunden haben, werden ­Zukunftsstudien in Auftrag gegeben, um die wahren Trends zu prognostizieren.

Da hat im März 2009 der Verband Schweizer Presse bei seinen Topkadern eine Umfrage lanciert. Von 267 Fragebögen kamen 137 ausgefüllt zurück, 55 widersprüchlich, 49 zerknüllt, 26 landeten gar auf dem WC, zwecks Reinigung des Hinterns, offset.

Mitunter ist es ja so, dass zusammenge­fasste Antworten einer kleinen Meinungsum­frage unter Branchenfreunden zum repräsentativen Trendbarometer verkommt. 22% der erwähnten 137 Medienmanager glauben, dass es 2025 keine gedruckten Medien mehr geben wird. Kein Witz! Na dann gute Nacht, wenn es gilt, von solchen Schwarzkünstlern in die schwarze Zukunft geführt zu werden. Blosse Meinungen werden mittels Umfragen oft zu einem Trend empor­stilisiert. Das entspricht einer homöopathologischen Dosierung eines Schusses Esoterik. Man weiss, was man am eigenen Leib erfahren hat, die verbleibende Unwissenheit deckt man über die glaubenden Kollegen und über die spekulierenden Medien ab. Der Mensch neigt dazu, seine eigenen Vor­urteile zu bestätigen, und so kommt es, wie es kommen musste. Man hat es ja schon immer gewusst. Prophezeihungen und Trendprognosen sind wie Geschwister. Während die Prophezeihung eine starke Glaubens­bande voraussetzt, ist die Prognose das pseudo­wissenschaftlich untermalte Pendant für eine verunsicherte ­Klientel. Die apokalyptischen Weltuntergangs­szenarien sind so alt wie die Menschheit. Bei uns verschanzen sich die sieben Weisen im Bundesratszimmer, um über Beben aller Art und Schredder zu diskutieren oder den USA die Versandtarife zu erklären, wenn es darum geht, 52 000 Bankkundendaten zu hinterziehen.

Ein weiterer Trend ist die grüne Legitimierung der Überproduktion. Die Begründung klingt natürlich: Die Natur höchstselbst sorgt für Überproduktion. Eine Amsel zum Beispiel legt bis zweimal im Jahr ein Gelege von 4–6 Eiern. Wenn der Nachwuchs vollständig überlebte, würden wir im Jahr 2025 weltweit Alfred Hitchcocks «Die Vögel» erfahren. Aber es überleben nur so viele, wie die Natur erträgt, am Rest tun sich niedere und höhere Organismen in der Nahrungskette gütlich. Bei uns produzieren Druckmaschinen die ­«Eier» für die Abfall- und Recyclingwirtschaft. Überproduktion führt zu Umsatz, deshalb beruhigt das Rumpeln der Druckmaschinen jeden Unternehmer, der sein Büro am liebsten in Hörweite bezieht. Er übersieht vielleicht nach den sieben fetten Jahren, dass sich die auswechselbare Druckdienstleistung langsam aus dem Fokus der Kunden davonstiehlt. Eine gescheite Prophezeihung lautete nämlich einmal: Was digital werden kann, wird auch digital werden. Der teure Druck kann nur günstiger werden, wenn die Überproduktion entfällt: Das bedeutet zielgruppengerechte, personalisierte und hochwertige Kommunikation, die Abfall vermeidet und willkommen ist. Aber noch sind wir nicht ganz so weit, man verdient sowohl am Erdöl wie am Druckerzeugnis immer noch gutes Geld. Alternativen sind zwar bereit, aber weshalb denn ändern, was immer gut funktioniert hat? Die klimaneutrale Abfallproduktion ist so gesehen ein medienaufgeblähter Zwischenakt vor dem grossen Showdown.

Man braucht kein Messias zu sein, um festzustellen, dass die Post in der IT abgeht. Nicht zu verwechseln mit: dass der Post die IT abgeht, oder: dass in der Post die IT abgeht. Prepress mit Datenbankanbindungen, im von Martin Spaar (und von niemand anderem, so wahr mir Gott helfe) zusammengefassten Begriff «Publishing 3.0», wird zum Schlüsselfaktor für die Printpopulation. Der Publisher liefert seit 2005 laufend Beispiele und berichtet, wie «Publishing 3.0» funktioniert. Sofern Sie Ihr eigenes Bild auf den Server hochgeladen haben, halten Sie nun Ihren eigenen hausgemachten Umschlag in den Händen. Dieses Unikat werden Sie garantiert nicht mehr weggeben und lange Zeit auf­bewahren, um es dann dereinst Ihren Enkeln nachzulassen. So gesehen ist das Nachhaltigkeit unter «Publishing 3.0».

Im kleinen Entwicklungsland Schweiz leistet der Publisher die traditionellen guten Dienste; ein Team von Weisskünstlern realisiert in Kooperation Premieren, die weltweit ihresgleichen suchen. Es ist die ökologische und positive Antwort auf all die Endzeitgedanken, auf die schlechte Stimmung, die in den Medien – leider vielfach in den Fach­medien – verbreitet wird. Es lebe die farbige, digital gedruckte Kunst – auch nach 2025!

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