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Farbmanagement im Adobe-Workflow

Color-Management mit Adobe-Software

Abschied vom CMYK-Workflow

Mit den einheitlichen Funktionen über alle Adobe-Applikationen hinweg ist Farbmanagement heute definitiv keine Hexerei mehr. Wer diese Möglichkeiten nutzt und auf einen medienneutralen RGB-Workflow umsteigt, kann nur gewinnen!

MICHEL MAYERLE In Anbetracht des enorm grossen Funktionsspektrums eines Color-Management-Systems taucht oft die Frage auf, wie denn nun mit der Integration und Umsetzung eines solch komplexen Systems begonnen werden soll. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass dank des Zusammenspiels mit mehreren Adobe-Applikationen bereits hervorragende Bestandteile eines Color-Management-Systems (CMS) zur Verfügung stehen, die erst noch sehr benutzerfreundlich zu handhaben sind. Wer diese Funk­tionen richtig in die Praxis umzusetzen vermag, kann mit wenig Aufwand eine wesentliche Qualitätssteigerung erzielen.

Wieso Color-Management?

Die Möglichkeit, ein Druckerzeugnis so aufzubereiten, dass es farblich in der Gesamtheit aller im Workflow beteiligten Prozesse konsistent erscheint, ist eine sehr komplexe Aufgabe, welche nur mittels Color-Management gelöst werden kann. Hierzu müssen zuerst sämtliche Geräte, welche in den Color-Management-Workflow integriert werden sollen, kalibriert und linearisiert werden. Anschliessend wird das Farbwiedergabeverhalten eines jeden Gerätes messtechnisch erfasst und mit einem so genannten Soll-Zustand verglichen. Die farbmetrische Abweichung des Ist-Zustandes vom Soll-Zustand kann mittels eines ICC-Profils beschrieben werden. Ein ICC-Profil ist im Prinzip nichts anderes als eine Tabelle, die geräteabhängige Farbwerte vom Quellfarbraum (zum Beispiel dem Farbraum des Scanners) auf den medienneutralen LAB- oder XYZ-Farbraum und vom diesem auf den ausgabeabhängigen Zielfarbraum abbildet. Erst durch diese ICC-Profile wird Farbe unter Berücksichtigung der Ausgabe eindeutig definierbar.

Farbdrucker und selbst Monitore können, wenn sie kalibriert worden sind, das farbliche Ergebnis verschiedener Druckverfahren richtig simulieren. CMS bedeutet aber nicht, dass nun jeder Bildschirm und jeder Drucker im Betrieb bzw. Produktionsworkflow einzeln kalibriert werden muss. Im Gegenteil: Mit CMS ist es eben gerade möglich, auch im «Blindflug» zu richtigen Resultaten zu kommen. Ein korrektes Ein- und Ausgabeprofil vorausgesetzt, wird man bei der Endausgabe ein richtiges Resultat erhalten. Es genügt also zum Beispiel, wenn der Lithograf mit einem exakt kalibrie­rten Monitor arbeitet und die Bilder im RGB-Format mit entsprechendem Profil an den Layouter weitergibt. Dieser verzichtet auf die korrekte Darstellung im Layoutprogramm und arbeitet ohne kalibrierten Monitor. Dank CMS kann er die Bilder am Schluss trotzdem korrekt für den Druck aufbereiten. Das heisst, die RGB-Bilder werden von InDesign anhand des in den Bildern enthaltenen Farbprofils und des in InDesign gewählten Ausgabeprofils (z.B. Euro­scale Coated v2) absolut korrekt und «farbtreu» separiert!

Verwaltung von ICC-Profilen und Farbeinstellungen

Wie unschwer zu erkennen ist, spielen die verwendeten ICC-Profile in einem CMS-Workflow eine wichtige Rolle. Leider nützen die besten Profile nichts, wenn sie nicht korrekt installiert worden sind. ICC-Profile können einerseits auf Betriebssystemebene (ColorSync auf Macintosh, ICM auf Windows) oder mit Hilfe eines für Adobe-Programme universell nutzbaren Ordners verwaltet werden. Sie finden diesen Ordner wie folgt:

  • Macintosh OS 9: Macintosh HD/Systemordner/Application Support/Adobe/Color
  • Macintosh OS X: Macintosh-HD/Library/Application Support/Adobe/Color

Der Application Support ist jedoch auch individuell für verschiedene User nutzbar. Hierzu bedient man sich einfach des Application-Support-Ordners, der sich im Ordner Library des entsprechenden Users befindet.

  • Windows XP: C:/Programme/Ge­meinsame Dateien/Adobe/Color

In diesem Colorordner können im Verzeichnis Profiles die gewünschten ICC-Profile gespeichert werden. Der Ordner Color bietet jedoch noch weitere hilfreiche Funktionen: So lassen sich beispielsweise die Farbeinstellungen oder die Softproofkonfigurationen von Photoshop in Form einer Datei (*.csf für die Farbeinstellungen bzw. *.psf für die Softproofeinstellungen) im Verzeichnis Settings (Farbeinstellungen) bzw. Proofing (Softproof) speichern. Genial daran ist, dass jetzt alle anderen Adobe-Programme mit den identischen Farbeinstellungen arbeiten. Diese Konsistenz im Umgang mit Arbeitsfarbräumen ermöglicht nicht nur ein effizientes Arbeiten, sondern erhöht auch noch die Sicherheit. Ein weiterer Vorteil identischer Farbeinstellungen liegt darin, dass immer mit der gleichen CMM bzw. mit identischen Rendering-Intents gearbeitet wird. Eine CMM kann am besten mit einer Rechenmaschine verglichen werden. Die CMM ist die zentrale Einheit, um Farbraumtransformationen durchzuführen. Sie ist verantwortlich für die Umrechnung von einem Farbraum in den anderen. Hierbei liefern die ICC-Profile die nötigen Informationen für die Umrechnung. Ein Rendering-Intent beschreibt indessen, auf welche Art und Weise die Farben in einen anderen Farbraum transformiert werden sollen.

Traditionell: ausgabeabhängige Workflows

Nachdem alle ICC-Profile korrekt abgelegt und die gewünschten Farbeinstellungen definiert worden sind, kann es an die Arbeit gehen. Es stellt sich jetzt die Frage, mit welchen Farbräumen gearbeitet wird, bzw. wann, wie und wo die Farbraumtransformation in den Zielfarbraum stattfinden soll. Prinzi­piell bieten sich zwei unterschiedliche Lösungsansätze an: die medienneutrale und die ausgabeabhängige Produktion. Letztere Lösung wird momentan noch häufiger eingesetzt. Bei ausgabeabhängigen Workflows wird primär mit CMYK-Farbdaten gearbeitet. Das heisst, dass bereits während des Scanvorganges oder unmittelbar danach sämtliche Bilddaten in den CMYK-Farbraum transformiert werden. Liegen die Bilder aber erst einmal im CMYK-Farbraum vor, können sie nicht mehr ohne massive Qualitätsverluste in den RGB-Farbraum zurückverwandelt werden, weil der Farbraum von CMYK wesentlich kleiner ist als der von RGB. Wenn das Bild dann aber auch noch auf dem Web publiziert wird, ist RGB erforderlich; und selbst ein für den Zeitungsdruck optimiertes CMYK-Bild kann nicht direkt in ein CMYK für Glanzlichtpapier umgewandelt werden, ohne dass die Farben abflachen.

Medienneutrale Workflows sind flexibler

Die Philosophie des medienneutralen Workflows wirkt dieser Tatsache entgegen. In diesem Falle wird durchwegs mit RGB- oder LAB-Daten gearbeitet, und zwar auch im Layoutbereich. Gerade das Arbeiten mit RGB-Bildern gestaltet sich denkbar einfach. Anstatt die Bilder gleich zu Beginn in den Zielfarbraum zu konvertieren, belässt man die Daten zum Beispiel im ECI-RGB- oder Adobe-RGB-Farbraum. Auch in Adobe Illustrator oder Adobe InDesign können sämtliche Elemente mit diesen ICC-Profilen versehen werden. Dies ist möglich, weil dank identischen Farbeinstellungen programmübergreifend mit kohärenten Bedingungen gearbeitet werden kann. Die so genannten Softproofings erlauben es, in allen Adobe-Publishing-Applikationen das farbliche Erscheinungsbild des jeweiligen Druckprozesses am Monitor zu simulieren. Dazu benötigt die jeweilige Applikation einerseits die Informationen aus dem Monitorprofil sowie die Angaben über das zu simulierende Zielprofil, zum Beispiel ein Zeitungsprofil. In Photoshop lassen sich ausserdem die zu erwartenden CMYK-Werte in der Informationspalette anzeigen, ohne dass die Bilder in den CMYK-Farbraum transformiert werden müssen.

Dadurch, dass die finale Farbraumtransformation in den Zielfarbraum (die ja in der Regel mit einem Farbumfangsverlust verbunden ist) erst in der Endphase des Workflows erfolgt, eröffnen sich die Möglichkeiten zu crossmedialem Publishing ohne Mehraufwand. So lässt sich ein Bild oder eine ganze Drucksache auch in letzter Minute noch für ein anderes Druckverfahren optimieren, ohne dass die Bilddaten noch einmal neu gescannt werden müssen.

Adobe InDesign als CMS-Schaltzentrale

Wenn eine Produktion durchgehend medienneutral aufgebaut wird, ist es unabdingbar, dass sämtliche Bilder, Logos und andere Elemente mit dem korrekten ICC-Profil versehen werden. Das heisst auch, dass nur Datenformate in Frage kommen, die auch ein ICC-Profil enthalten können. Sehr gut eignet sich zum Beispiel das Adobe-PDF oder das TIFF. Aufgrund der Tatsache, dass PostScript- und EPS-Dateien nicht direkt mit ICC-Profilen versehen werden können, ist hier eher Vorsicht geboten. Der Einsatz von PostScript-Farbmanagement schafft zwar Abhilfe, hierbei handelt es sich jedoch um ein höchst komplexes Verfahren, welches viel PostScript- und CMS-Know-how erfordert. Im Gegensatz zu QuarkXPress eignet sich Adobe InDesign 2 hervorragend für den Einsatz von Color-Management in medienneutralen Workflows. Um in Adobe InDesign ein möglichst farbechtes Softproof zu erhalten, sollten Sie für die visuelle Kontrolle unbedingt im Menü «Anzeige» die Überdruckenvorschau aktivieren.

Vielleicht möchten Sie nach der Fertigstellung des Layouts PDF-Daten von Ihrem Job erstellen. Es stellt sich jetzt wieder die Frage, ob die PDF-Daten medienneutral oder ausgabeabhängig erstellt werden sollen. Dank InDesign stehen Ihnen hierbei alle Türen offen. Sehr elegant gestaltet sich die PDF-Erstellung über InDesigns Direktexport. Dieser bietet gleich mehrere Vorteile: Einerseits können alle ICC-Profile direkt in die PDF-Datei geschrieben werden, andererseits bietet sich die Möglichkeit, sämtliche Farben unverändert in die PDF-Datei zu übertragen oder aber alle Farben in den Zielfarbraum zu konvertieren. Genial dabei ist, dass auch platzierte PDF-, EPS- und PS-Daten der Farbraumtransformation unterzogen werden, da alle Elemente beim Direktexport von InDesign interpretiert werden. In InDesigns Druckdialog haben Sie ebenfalls die Möglichkeit, alle Farben in den Zielfarbraum zu konvertieren. Hingegen werden hier die PDF-, EPS- und PS-Daten keiner Farbraumtransformation unterzogen, weil diese von InDesign dann nicht mehr interpretiert werden. Für diesen Fall steht noch das PostScript-Farbmanagement zur Verfügung, mit dem sich die besagten Dateien trotzdem transformieren lassen. Des Weiteren ermöglicht das PostScript-Farbmanagement das Erzeugen geräteneutraler Farben, was ansonsten nur noch mit dem PDF-Export möglich ist.

In Adobe Acrobat 6 Professional lassen sich die PDF-Dateien unter den bereits bekannten Bedingungen begutachten. Acrobat 6 Professional bietet einen überaus vielfältigen wie auch übersichtlichen Druckdialog, der technisch auf dem neusten Stand der Dinge ist. Dadurch eignet sich Acrobat bestens für die Ausgabe von PDF-Dateien.

Fazit

Bereits mit durchgetesteten Farbeinstellungen, den Adobe-Publishing-Applikationen sowie einem Eingabegerät, das Bilder mit korrekten Profilen versieht, sind Sie in der Lage, Color-Management in kleinem, aber solidem Rahmen zu betreiben. Mit weiterem Fachwissen können Sie Ihre Effizienz noch steigern. Die ulrich-media GmbH führt in Zusammenarbeit mit dem Publisher Seminare zum Thema Color-Management mit Adobe-Applika­tionen durch.

 

 

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