Cover 2-13

Schweizer Fachzeitschrift
für Publishing und Digitaldruck


Direkt-Links zu Shop-Artikeln

 


Banner_mai_13_Rectangle

 >>  >>  >> 
Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken Artikel drucken

FineArt und Fotodruck mit Tinte und Qualitätspapier

Fotodruck und FineArt-Printing

Fotos und Kunst auf Papier

FineArt-Printing und Fotodruck ersetzen zunehmend die analogen Abzüge. Neue Tintenstrahldrucker mit zusätzlichen Farben und Papier, das speziell für die Wiedergabe von Fotos oder Gemälden entwickelt wird, ermöglichen den Druck in höchster Qualität.

ROMEO HUTTER Die digitale Fotografie ist aus dem Alltag der profes-sionellen und privaten Fotografen nicht mehr wegzudenken. Die Nachfrage nach analogen Filmen ist damit zusammengebrochen, längst aber nicht die Nachfrage nach Abzügen der geschossenen Bilder. Neben den Urlaubsbildern und anderen Schnappschüssen aus dem privaten Leben sollen vor allem qualitativ hochwertige Porträt- und Produktbilder aus dem Studio oder aufwendig inszenierte Landschaftsaufnahmen in bestmöglicher Qualität ausgedruckt werden können. In den letzten Jahren ist dadurch ein neuer Markt entstanden. Zum einen haben die Fotolabors umdenken müssen und ihre Angebote in Richtung Druck ab digitalen Daten verändert. Zum anderen entwickeln die grossen Hersteller von Tintenstrahldruckern wie Canon, Epson und Hewlett-Packard immer ausgereiftere Systeme, um digitale Bilder zuhause oder im Studio selber ausdrucken zu können.

Gerade für den privaten Gebrauch exis-tieren bereits unzählige Modelle, die nicht einmal einen Computer brauchen, sondern mit einem Kartenleser und einem Minidisplay ausgestattet sind, um die ausgewählten Bilder direkt zu drucken. Im Bereich der Profifotografie warten dieselben Hersteller seit diesem Jahr mit Modellen auf, die mit bis zu zwölf Tinten einen wesentlich grösseren Farbraum reproduzieren können und auch Schwarz-Weiss-Bilder in bestechender Qualität drucken. Für den Druck von Fotografien in höchster Qualität ist jedoch nicht der Drucker allein massgebend, über die Qualität des Prints entscheidet ebenso das Papier. Dabei haben die namhaften FineArt-Papierhersteller ihr Angebot auf das Segment «digital» ausgeweitet und entwickeln ihr Angebot für den Tintenstrahldruck ständig weiter. Mit den «neuen» Medien für den Tintenstrahldruck lassen sich aber nicht nur Fotografien ausdrucken, auch die Reproduktion von Gemälden auf Grossformatdruckern und so genannten Canvas – Papier mit ähnlichen Eigenschaften wie die Leinwand eines Gemäldes – gewinne zunehmend an Bedeutung.

Tinten: Farbstoffe und Pigmente

Das Gros der Drucker für den Fotodruck und das FineArt-Printing setzt auf die Tintenstrahltechnologie, die in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt wurde. Die Inkjettechnologie ist ein Druckverfahren, bei dem der Farbstoff in Form von flüssiger Tinte in kleinsten Tropfen durch Düsen auf die Oberfläche des Papiers oder eines anderen Mediums übertragen wird. Die einzelnen Farbtropfen werden von einem bildabhängigen Signal ausgelöst und direkt auf das Papier «gesprüht». Das Bild entsteht also im Gegensatz zu anderen Druckverfahren direkt auf dem Bedruckstoff. Tintenstrahldrucker für den Fotodruck oder das FineArt-Printing verwenden meist Pigmenttinten, vereinzelt auch Farbstofftinten.

Farbstofftinte besteht aus Farbstoffen, Löse- und Bindemitteln. In einer Rührmaschine werden diese Substanzen zusammengemischt. Durch die Verwendung von Lösemittel ergibt sich ein homogenes Gemisch, worin sich die Farbstoffe vollständig auflösen.

Pigmenttinte besteht aus Farbmitteln, die auf Pigmenten basieren. Pigmente sind Farbpartikel, die in Lösemitteln und Bindemitteln ungelöst vorhanden sind. Am einfachsten lässt sich dies mit Russpartikeln im Wasser veranschaulichen. Selbst wenn beides geschüttelt wird, schweben kleinste Teilchen des Russes weiterhin im Wasser. Mit dieser Eigenschaft werden Pigmente vor allem zur Herstellung deckender Farben verwendet. Natürliche und synthetisch hergestellte Pigmente bestechen durch eine ausgezeichnete Lichtechtheit. Im Gegensatz zu Farbstofftinte, die in das Medium eindringt, bleiben die Pigmente als Farbkörnchen erhalten und setzen sich auf der Oberfläche ab.

Drucken: kontinuierlich oder gezielt

Verbreitet sind zwei verschiedene Technologien, um die Tinte auf das Papier zu bringen: Bei der «Continuous Ink Jet»-Technologie läuft die Tinte ununterbrochen durch den Druckkopf, auch dann, wenn diese Farbe nicht gedruckt werden soll. Bildabhängig wird dieser kontinuierlich erzeugte Strom von kleinsten Farbtropfen zum Druck auf das Papier gelenkt. Die Tropfen, die die Oberfläche erreichen sollen, werden elektronisch angesteuert und mit einer Ladeelektrode im Druckkopf aufgeladen. Dadurch können die Tropfen vom elektrischen Feld der Ablenkplatte abgelenkt werden. Soll kein Druckpunkt entstehen, wird der Tintenstrahl nicht abgelenkt und die Tinte gelangt zurück in den Vorratsbehälter.

Bei der «Drop on Demand»-Technologie wird für jeden einzelnen Druckpunkt ein Tintentropfen aus der entsprechenden Düse auf die Oberfläche gespritzt. Tintentropfen werden bei diesem Verfahren nur dann erzeugt, wenn sie auch benötigt werden.

Solche Drucker können sowohl mit Ventil- als auch mit Piezo-Schreibkopftechnologie sowie mit der Bubble-Jet-Technologie ausgestattet sein.

Tintenstrahldrucker verwenden heute bis zu zwölf Farben und Druckköpfe mit einigen hundert bis tausend Düsen. Vom Kleindrucker für Fotos im Format 10 x 15 cm über professionelle Fotodrucker mit einem erweiterten Farb-raum bis hin zum Grossformatdrucker mit integriertem Spektrofotometer für gleichbleibende Farben über eine ganze Auflage hinweg wird die Inkjet-Technologie eingesetzt.

Erst das Papier gibt dem Druck die Qualität

Um Fotodrucke und FineArt von hoher Qualität zu drucken, ist die Drucktechnologie nur ein Bestandteil. Ein genauso wichtiges Element ist das Papier, auf dem das Bild wirken soll. Sämtliche Hersteller von Tintenstrahldruckern entwickeln daher auch das entsprechende Papier für bestmögliche Resultat oder arbeiten eng mit Herstellern von Foto- und FineArt-Papier zusammen. Entscheidend ist, dass das Papier die Tinte optimal aufnimmt und jedes Detail der Fotografie oder des Kunstwerkes wiedergibt. Darüber hinaus sollte sich Fotodruck wie ein gewohnter Fotoabzug anfühlen. Je nach Sujet, späterer Verwendung und persönlichem Geschmack bieten die Hersteller Papiere mit unterschiedlichen haptischen Eigenschaften in diversen Formaten und farblichen Nuancen an. Auf Seite 39 finden Sie Beschreibungen zu verschiedenen Papieren von Ilford, Hahnemühle, Sihl, Folex, Profot und Felix Schoeller.

Optimieren und profilieren für beste Bilder

Ein guter Fotodruck oder eine kaum vom Original zu unterscheidende Reproduktion eines Kunstwerkes hängt nicht allein vom Drucker und vom Papier ab, Fotografien und andere Bilder in digitaler Form müssen vor dem Druck optimiert werden. Ob die Farben korrigiert werden sollen, der Ausschnitt gewählt oder sogar eine Retusche vorgenommen werden soll, ein gedrucktes Bild ist nur so gut wie die digitale Vorlage. Eine Bearbeitung des Originals ist unumgänglich, wenn bei der Aufnahme nicht alles richtig gemacht wurde.

Genügt das Bild bei der Beurteilung am Monitor den Ansprüchen des Betrachters, heisst das noch nicht, dass es auf dem Papier auch gleich aussieht. Jedes Papier hat andere Eigenschaften, die das gedruckte Bild vom Bildschirmbild abweichen lassen, wenn nicht mit den dafür erstellten Farbprofilen gearbeitet wird. Die so genannten ICC-Profile (International Color Consortium) sorgen dafür, dass Computer, Drucker und Papier «miteinander kommunizieren». Dadurch resultiert auf dem Papier das gleiche Bild, das am Monitor als gut erachtet wurde. Die meisten Hersteller von Foto- und Fine Art-Papier bieten deshalb kostenlose ICC-Profile für jedes ihrer Medien an. Sollten die damit gemachten Drucke nicht den eigenen Ansprüchen genügen, können in Photoshop eigene Profile erstellt werden.

Fazit

Der Fotodruck hat mit der Digitalfotografie in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erfahren. Digitale Fotos müssen nicht entwickelt werden. Abzüge werden zwar auch von Fotogeschäften erstellt, mit den heutigen Fotodruckern und dem wachsenden Sortiment von Fotopapieren können auch zuhause schöne Bilder gedruckt werden. Für Profis haben die professionellen Fotodrucker den Vorteil, dass sie die ausgewälten Bilder gleich nach dem Shooting ausdrucken können – Drucker mit erweitertem Farbraum und zusätzlichen Grautinten liefern sowohl in Farbe wie auch in SchwarzWeiss beachtliche Resultate. Neben dem Druck von Fotografien nimmt auch die Nachfrage nach Kunstreproduktionen zu. Museen haben mit den heute verfügbaren Geräten und Papieren die Möglichkeit, massstabgerechte Reproduktionen grosser Gemälde auf einem Grossformatdrucker auszugeben und im Museumsshop oder on demand über die Website zum Kauf anzubieten. Nostalgiker, die dem Barytpapier nachtrauern, können zudem dank hybrider Technologien digitale SchwarzWeissBilder auf echtes, über Jahre bewährtes Fotopapier ausgeben.

 

 

Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken