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Fotos aus der Dose

Fotos aus der Dose: Bildarchive auf CD-ROM und im Internet

Keine Publikation kommt heute ohne Fotos aus. Dabei stellt sich häufig die Frage, woher man auf die Schnelle passendes und günstiges Bildmaterial nimmt. Unter diesen Bedingungen konnten sich in den letzten Jahren die Stock-Fotos - Fotobibliotheken als das fotografische Pendant zur den Clipart-Sammlungen - mit ihren Vor- und Nachteilen im professionellen Publishing einen festen Marktanteil erobern. Die durch TV und illustrierte Zeitschriften veränderten Sehgewohnheiten haben dazu geführt, dass heute kaum eine Veröffentlichung ohne Foto auskommt. Reiner Text wird nur gerade noch in der Belletristik oder in wissenschaftlichen Publikationen zelebriert; ansonsten muss ein Foto rein, um das Zielpublikum bei der Stange zu halten.

Dabei gibt es durchaus auch praktische Gründe, mit Hilfe von Fotos zu kommunizieren. Oftmals vermag die fotografische Abbildung Informationen schneller, präziser und klarer zu vermitteln, als wenn dies mit aufwendigen verbalen Schilderungen zur Beschreibung geschehen würde, ganz nach dem Motto: «ein Bild sagt mehr als tausend Worte».

Aber auch die schnelle Wahrnehmung eines Bildinhaltes spricht für Fotos. Die Bildinformation wird als Ganzes gleichzeitig angeboten und sozusagen auf einen Blick wahrgenommen. Text vermag dagegen seinen Sinn nur dann zu vermitteln, wenn er sequenziell von Anfang bis Ende rezipiert wird.

Streng genommen wird übrigens auch ein Bild bei der Betrachtung durch eine Folge von wild übers Bild verteilten Blick-fixationen punktuell abgetastet. Innert Sekundenbruchteilen werden dabei mehrere auffällige, vermeintlich informationsreiche Bildstellen fixiert.

Bilder bringen emotionale Komponenten

Eine weitere Eigenschaft von Fotos ist, dass sie nicht nur auf einem rationalen Kanal, sondern auch in starkem Masse auf einem emotionalen kommunizieren. Sie erzeugen Gefühle, wecken Erinnerungen und lösen Assoziationen aus, ohne dass sich der Betrachter dessen bewusst sein muss.

Unter diesen Aspekten kommt der Verwendung von Fotos in einem kommunikativen Produkt ein hoher Stellenwert zu. Neben den informativen Fotos konnten im Rahmen dieser Erkenntnis auch die eher symbolhaften, stereotypen Fotos an Bedeutung gewinnen. Gerade dieser Typus von Fotos gehört zur Domäne thematischer Fotosammlungen auf CD-ROM und im Internet, welche Publisher günstig für ihre Arbeit nutzen können.

Foto-Shopping

Stock-Fotos - nach dem englischen Wort Stock für Vorrat oder Bestand - sind Fotobibliotheken, die ein Benutzer auf Vorrat in digitaler Form auf CD oder DVD erwerben kann. Diese Fotos kann er wie Clipart-Grafiken für seine Zwecke beliebig einsetzen. Häufig wird auch im Zusammenhang mit Bildagenturen von Stock-Fotos gesprochen, die ja ebenfalls auf Halde produziert wurden. Allerdings gibt es grundlegende Unterschiede, weshalb der Klarheit wegen nach-folgend der Ausdruck Stock-Fotos nur im modernen Sinn hinsichtlich jener Clipart-Fotos gebraucht werden wird und im anderen Fall von Agenturfotos die Rede sein wird.

Fotografen: Extras haben ihren Preis

Bis vor etwa fünf Jahren existierten eigentlich nur zwei mögliche Bildquellen: Der Fotograf und die Bildagentur. Fotoaufnahmen durch einen Fotografen sind meist sehr kosten-intensiv, da dieser den Aufwand zum Erstellen der Aufnahme, bestehend aus Spesen (Modell- und Mitarbeiterhonorare), Amortisation der Infrastruktur, Verbrauchsmaterial und seiner Arbeitszeit, berechnen muss. Als Vorteil besteht die Möglichkeit, ein bestimmtes Sujet in exakt der gewünschten Perspektive und nach Wunsch in Szene gesetzt fotografieren zu lassen. Im Fotografenhonorar ist in der Regel auch die Abgeltung des Urheberrechts enthalten. Oftmals gilt dies jedoch nur für einen bestimmten Verwendungszweck und über einen bestimmten Zeitraum, wobei auch eine einmalige Pauschalabgeltung möglich ist.

Bildagenturen: Lizenzpflichtige Stock-Fotos

Eine Bildagentur arbeitet dagegen mit bereits vorhandenen Fotos (sogenannte Stock-Fotos) verschiedener Fotografen. Der Kunde definiert gegenüber der Agentur seinen Bilderwunsch, worauf diese ihm gegen eine Bearbeitungsgebühr - in der Regel etwa 65 Franken - eine Bildauswahl zur Verfügung stellt. Die Fotos kommen häufig in verschweissten (also versiegelten) Transparenthüllen. Erst bei Verwendung, unabhängig vom Aufwand der Aufnahme, entstehen weitere Kosten. Diese richten sich nach einer fixen Preisliste.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Bildagenturen und -archive hat diesbezüglich eine Richtpreisliste erstellt, die bei ihr für 26 Franken bezogen werden kann (Adressen und Bezugsquellen finden sich auf der Publisher-Website, siehe unten).

Mittels eines Preisrasters werden die Kosten, abhängig von der Veröffentlichungsart, -grösse, -auflage, vom -medium und -zeitraum festgelegt, wobei es vordefinierte Zuschläge bei Aufnahmen mit Modellen (pro Modell 25%) oder bei aufwendigeren Fotos, wie Unterwasser- oder Luftaufnahmen, gibt. Umgekehrt gibt es Rabatte bei mehrfacher Verwendung, für Nutzung in Collagen oder als unterlegter Hintergrund.

Pauschale Abgeltung bei lizenzfreien Stock-Fotos

Anders dagegen bei den lizenzfreien Stock-Fotos: Mit dem Kauf einer CD-ROM stehen die Fotos physisch jederzeit zur Verfügung und dürfen beliebig verwendet werden. Lizenzfrei (royalty free) heisst, dass durch deren Gebrauch keine weiteren Kosten entstehen. Die Rechte wurden mit dem CD-Kauf pauschal für alle Bilder abgegolten, unabhängig davon, ob und wie - falls überhaupt - die Fotos genutzt wurden.

Fastfood fürs Auge

Für Stock-Fotos gelten ähnliche Bestimmungen wie beim Softwarekauf. Der Käufer erhält mit dem Kauf des Datenträgers das Recht zur Verwendung der Fotos im Rahmen der lizenzrechtlichen Bestimmungen, die er durch den Kauf akzeptiert und die je nach Anbieter variieren.

Die Stock-Fotos dürfen sowohl für Printpublikationen wie Broschüren, Anzeigen, Pressepublikationen oder Werbung, als auch für elektronisches Publishing in Video, Film, TV, auf CD-ROMs oder im Internet verwendet werden.

Besondere Regeln existieren meist dann, wenn Stock-Fotos als Produkte oder wie Teile davon verkauft werden. Dies gilt ebenso, wenn das Bild etwa auf einem Fotokalender, T-Shirt oder auf Bettwäsche weiterverkauft werden soll. Insbesondere für Buch-, Video- und CD-Hüllen gelten je nach Anbieter gewisse Einschränkungen oder gesonderte Tarife. Normales Verpackungsdesign - das ebenfalls mit einem Produkt verkauft wird - ist dagegen frei nutzbar. Lizenzfrei bedeutet also nicht rechtsfrei oder gänzlich kostenlos.

Trend zu höheren Auflösungen

Die CDs können einzeln oder in grösseren Sets gekauft werden und kos-ten 250 bis 750 Franken - oft jedoch um die 300 Franken. Meist sind zwischen 50 bis 100 Fotos enthalten. Die Anschaffungskosten pro lizenzfreies Foto variieren also stark in Abhängigkeit des Anbieters und liegen zwischen 10 Rappen (zB. Corel) bis zu 130 Franken (zB. Premium), in der Regel jedoch zwischen Fr. 1.50 bis Fr. 16.-.

Der aktuelle Trend geht jedoch zusehends dahin, höher aufgelöste auf die CD-ROMs zu packen. Beispielsweise bedeutet dies bei Corel, dass die Fotogrösse bislang nur 18 MB betrug und neu auch «Premium»-Fotos von 28 MB angeboten werden. Andere Hersteller haben dagegen bei Dateigrössen von 30 MB angefangen und gehen nun zu Datenmengen bis 70 MB über, womit nun formatfüllende A3-Fotopublikationen möglich werden. Die Fotos mancher Anbieter liegen im CMYK-Modus, meist jedoch im grösseren RGB-Farbraum vor. Als einen zweiten Trend lässt sich eine Angebotserweiterung des Stockmaterials in Richtung Multimedia ausmachen. Vermehrt enthalten die Sortimente auch Stock-Videosequenzen, -Töne oder -GIF-Animationen.

Stock-Fotos in der Praxis

Als potentielle Stock-Foto-Benutzer kaufen nur wenige gleich eine grössere Kollektion, sondern investieren erst in Katalog-CDs für 20 bis 50 Franken das Stück. Darauf sind in erster Linie Bilddatenbanken eines grösseren Angebotes oder gar von mehreren Stock-Foto-Anbietern enthalten. Die auf einigen Katalog-CDs enthaltenen LowResolution-Bilder können und dürfen für Layoutentwürfe und Auftragspräsentationen genutzt werden.

Trotz gewissen Einschränkungen (beschränkte Dateigrössen, kaum lokale Inhalte etc.) sind Stock-Fotos auf dem Vormarsch - nicht zuletzt, weil viele Bildagenturen erst spät auf den digitalen Vertrieb ihrer Fotos gesetzt hatten. Inzwischen sollen in den USA heute bereits zwei Drittel der Werber und Publisher Stock-Fotos einsetzen.

Vielerorts dienen Stock-Fotos bloss fürs Brainstorming, zur Gestaltung von Layout-Entwürfen oder zur Abstimmung mit Kunden und werden später durch eigens hergestellte Fotos ersetzt.

Risiko von Doppelbelegungen

Ebenso häufig finden Stock-Fotos Verwendung als Ausgangsbilder oder Teile in Bildcollagen und -manipulationen. Doch die Qualität von Stock-Fotos - zumindest die von einigen wenigen Anbietern - macht auch deren finale Verwendung denkbar. Dabei besteht allerdings stets das Risiko, dass das Bild bereits von anderen Käufern eingesetzt wurde (Doppelbelegung), was beim Zielpublikum zu Verwechslungen und Déjà-vu-Erlebnissen führen kann. Dieses Risiko ist dagegen bei Agenturfotos weitgehend ausgeschlossen, was von den Agenturen als eines ihrer Hauptargumente gegen die Fotos von der Silberscheibe ins Feld geführt wird.

Zeitaufwendige Bildrecherche

Ein weiteres Argument der Bildagenturen für ihre Dienste ist, dass sie ein Kunden- und Bedürfnisprofil erstellen und mit viel Erfahrung dem Inte-ressenten eine ideale Auswahl zurechtschneidern, während der Stock-Kunde mit der grossen Flut stereotyper Bilder allein gelassen wird. Tatsächlich ist die Suche nach dem richtigen Bild in Stock-Sammlungen eine zeitaufwendige Angelegenheit, was schlussendlich auch einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellt.

Image Distributors Association

Die Image Distributors Association (IDA) ist ein Zusammenschluss unabhängiger europäischer Bilddistributoren, die sich auf lizenzfreie Bildkollektionen spezialisiert haben. IDA-Mitglied für die Schweiz ist die Kursiv in St.Gallen, für Deutschland die FontShop in Berlin.

Die IDA fördert vermehrt europäische Bilder, die den hiesigen Anforderungen gerecht werden. Speziell wenn es um Bildern mit Menschen geht, lassen sich amerikanisch geprägte Bilder nicht immer verwenden. Alternativen sind für viele Gestalter unabdingbar.

Bislang verunmöglichte oft ein «Hauch» von USA, der viele Bilder durchströmt, das Einsetzen von Stock-Fotos in Europa. Typisches Beispiel sind Fotos aus dem Alltags- und Geschäftsleben, die mit gestylten Menschen und dem penetranten Einhalten von «political correctness» und «sexual correctness» stets die Zauberformel vom kaukasischen (weissen) Manager, umgeben von einer Frau und dem obligaten Afroamerikaner, präsentieren.

Solche Stock-Fotos verraten ihre Herkunft zu offensichtlich und dürften wohl kaum bei Verwendung in einer Anzeige eine hiesige Zielgruppe ansprechen. Dies ist denn auch ein Argument, das bei einigen befragten (Bild-)Redaktoren den Einsatz auf Symbol- und Stimmungsfotos einschränkt. Wer die Stock-Fotos einsetzt, schätzt vor allem die rasche und unkomplizierte Beschaffung des Bildmaterials.

Markus Zitt

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