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Highspeed - oder die lange Leitung

Wenn sich etwas in der Kommunikationswelt rasend schnell ­bewegt, dann hats etwas mit Internet zu tun. Speed jedoch ist ­relativ, das wusste schon Einstein zu berichten.

Ralf Turtschi
Falls es bei Ih­nen in der EDV immer rund läuft, brauchen Sie nicht mehr weiterzulesen. Ich erzähle Ihnen hier die Geschichte von der Schwierigkeit, als kleine Werbeagentur mit 7 Mitarbeitern am Fortschritt teilzuhaben. Am 26. Juni 2000 sind wir den Verlo­ckungen des schnellen Netzzugangs erlegen und haben bei SwissOnline AG ein Anmeldeformular für den Highspeed-Internetzugang eingereicht. «Highspeed Business» hiess das Paket, als maximale Download-Geschwindigkeit lockten 2058 kb/s mit unlimitiertem Datenvolumen. Ein attraktives Angebot, dachten wir, statt ISDN, wo jedes Datenbit Swisscom finanziell anschwellen lässt. Die monatliche Gebühr wurde mit 176 Franken angegeben, wobei das nötige Kabelmodem noch 14 Franken Miete ausmachte. Alles in allem also 190 Franken monatlich, da kann man nichts sagen.

Formulare haben es jedoch so an sich, sie bleiben gerne liegen. Böse Zungen behaupten, dass Swiss­Online Daten in Papierform noch schneller vernichtet als E-Mails. Wie kann es anders sein, wenn das ­Management so schnell wechselt wie die ­Jahreszeiten? Jedenfalls blieb es bei unserem Antrag, bis wir aus den Medien vernahmen, dass Swiss­Online von Cablecom übernommen wurde. Das war irgendwann im Spätsommer 2000. Nicht übernommen wurde unser Antragsformular. Es war physikalisch wie vom Erdboden verschluckt, lediglich eine Kopie in unserer Ablage erinnert an gute Zeiten. Der Beitrag zum Thema «papierloses Büro» – ein Alptraum für Wachmann Meili!

Am 11. Oktober erhielten wir auf Anfrage eine neue Dokumentation von Cablecom, namens «Webcom», woraus hervorgeht, dass das speziell für KMU zugeschnittene Paket nun statt 190 satte 950 Franken im Monat kostet, also 5 Mal mehr! Offenbar werden bei Unternehmensakquisitionen nur die Aktiven übernommen, die Verpflichtungen zieht man elegant in den Papierkorb.

Total hartnäckig haben wir erneut unser Interesse angemeldet und prompt zwei neue Papiere erhalten: Die «Einzel-Kundenvereinbarung», die automatisch normale Konzessionsabgaben für TV/Radio fordert, wenn man Highspeed will. Das macht eine obligatorische Jahresgebühr von Fr. 335.40 für Dienstleistungen, die kein Mensch bei uns braucht. Wir haben überhaupt keinen Fernseher! Das wäre was für den Kassensturz oder den Preisüberwacher. Ein weiteres Papier, die «Anschluss- und Nutzungsvereinbarung», behandelt Angelegenheiten der Liegenschaft, über die wir als Mieter gar nicht zuständig sind. Jedenfalls kostet der einmalige Haus­anschluss nochmals Fr. 483.75.

Inzwischen wurden wir beim Hauseigentümer vorstellig, weil der Bau und die Installation geeigneter Kabel in Gewerbehäusern Sache des Vermieters ist. Auf Antrag von dieser Seite zog Cablecom die Leitung offensichtlich ins Haus. «Offensichtlich» ist der präzise Ausdruck dafür. Im Dezember durfte ich mich davon überzeugen, dass die Highspeed-Leitung 10 Meter vor unserm Büroeingang im ersten Stock im Verteilkas­ten endet. Der dafür verantwortliche Elektroinstallateur beschied mir, dass die Installation bis in unser Büro eine Kleinigkeit sei, man müsse noch etwas verlängern und ein entsprechendes Modem anhängen, dann sei die Sache geritzt. Der Elektriker war zu optimistisch.

Inzwischen war unsere Trauer über das ver­lorene Antragsformular verflogen und voller Enthusiasmus freuten wir uns darauf, ab Januar endlich mit highspeed im Internet zu surfen. Leider haben wir übersehen, dass Cablecom ein grosser Laden ist, wo noch gewisse Abstimmungsprobleme zwischen Verkauf und Technik herrschen.

Am 15. Januar bekommen wir zwei Rechnungen für besagte Abo- und Installationsgebühren, obwohl noch kein Modem installiert und kein Vertrag unterzeichnet wurde. Der für uns zuständige Sachbearbeiter meldet sich nach mindestens zehn Telefonaten und E-Mails bei uns. Er schaut in seinem Computer nach und behauptet, unser Gewerbehaus sei noch nicht highspeed-fähig. Es würde noch keine Leitung dahin liegen. Man glaubt es nicht. Sie wissen, der Kasten im Korridor, der Elektriker – etwas in mir beginnt zu kochen. Mis­ter Cablecom verspricht Ende ­Januar, sich nun zügig der Sache ­anzunehmen. Wir hätten unser Highspeed-Modem spätestens in 14 Tagen.

Mittlerweile ist es Ende Februar, kein Ton von Cablecom. Wir sind der Verzweiflung nah. Obwohl Cablecom die Swiss­On­line-Vereinbarung nicht erfüllt, obwohl wir guten Willens sind und den happigen Preis bezahlen wollen, obwohl die Leitung steht – es herrscht absoluter Stillstand.
Ein bisschen sphärisch abgehoben, versuchen wir es jetzt mal mit Meditation. Jeden Morgen bete ich beim Kabelende vor dem Verteilkasten gnädigst um Behandlung der Angelegenheit. Eine Audienz beim Papst? – Pipifax dagegen!
Geradezu zynisch blinkt uns von Cablecoms Website eine Flash­animation (bzw. Falschanimation) entgegen: «Wie schnell ist schneller? Vergleichen Sie Ihre bestehende Internet-Anbindung mit Highspeed von ­Cablecom…» Man ist versucht zu sagen: Schnecken kriechen schneller als Null.
Vielleicht ist das ja auch nur ein Märchen. Cablecom bedient ihre Kunden schnell und zur vollsten Zufriedenheit. Preisange­bote werden nicht um 500% überschritten und überhaupt: Friede, Freude, Eierkuchen. Wir haben einfach Pech gehabt.
Im Frühjahr soll sich alles zum Besseren wenden. Und schliesslich endet jedes Märchen mit einem Happyend. Sofern denn jemand von der langen Leitung tritt.

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