Cover 2-13

Schweizer Fachzeitschrift
für Publishing und Digitaldruck


Direkt-Links zu Shop-Artikeln

 


Banner_mai_13_Rectangle

 >>  >>  >> 
Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken Artikel drucken

Kameras für Könner

Das Angebot an digitalen Fotoapparaten ist riesig, doch professionellen Ansprüchen genügen nur wenige. Wodurch unterscheiden sich die einzelnen Kameras? Wir geben einen Überblick über die Trends und die besten Kameras für den professionellen Gebrauch.
Markus Zitt Für den Gestalter ist ein digitaler Fotoapparat eigentlich so eine Art mobiler Scanner, mit welchem er dreidimensionale Objekte – vom Stilleben bis zur Häuserzeile – auf eine Fläche bannt, oder auch übergrosse zweidimensionale Vorlagen digitalisieren kann.

Professionelle Anwender profitieren besonders vom Nutzen einer Digitalkamera. Die schnelle Verfügbarkeit von Fotos in Kombination mit der Möglichkeit, die Bildqualität unmittelbar nach jeder Aufnahme zu überprüfen, um allenfalls eine misslungene Aufnahme gleich zu wiederholen, verkürzt den Workflow deutlich. Diesen Vorteil bieten im Prinzip alle Digitalkameras. Allerdings sind nicht alle gleich gut für den professionellen Einsatz geeignet. Ideal sind deshalb natürlich spezielle Profikameras.
Doch auch Consumer-Kameras bieten vereinzelt professionelle Funktionen, wie etwa die manuelle Blendenwahl. Vor allem aber ist der hartumkämpfte Massenmarkt der Spiegel aktueller Kameratechnik und zeigt die neusten Trends, die früher oder später auch in die professionellen Digitalkameras einfliessen werden.

Kameratypologie

Prinzipiell gibt es drei Arten von digitalenFotoapparaten: Kompaktkameras(Snapshots), Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektivanschluss (Actioncams) sowie digitale Kamera­rückteile.

Kamerarückteile

Während die Snapshots und Actionkameras erst seit kurzem mit der analogen Fotografie konkurrieren können, war dies bei den sündhaft teuren Kamerarückteilen schon länger der Fall. Diese digitalen Rückteile werden bei Bedarf anstelle eines Filmhalters oder -magazins an einer Gross- oder Mittelformatkamera angebracht. Diese digitalen Fototsysteme setzen allerdings fundiertes fotografisches Know-how und eine umfassende Foto- und PC-Infrastruktur voraus.
Unter den Digitalrückteilen gibt es drei Arten: Bei den Scannersystemen tastet ein Zeilensensor das durchs Objektiv projizierte Bild in der Filmebene ab. Dieses Verfahren eignet sich nur für statische Objekte. Bei den One- und Three-Shot-Modellen sitzt dagegen ein Flächensensor in der Filmebene. Beim Three-Shot-Verfahren werden – wie bei den früher üblichen Three-Pass-Flachbettscannern – drei Aufnahmen nacheinander geschossen, jede mit einem anderen vorgeschalteten RGB-Farbfilter. One-Shot-Modelle besitzen dagegen einen Flächensensor, der meist zu je einem Drittel aus CCD-Elementen für Rot, Grün und Blau besteht (siehe Kasten «Fotochip») – bewährt hat sich in Praxis auch einen höherer Anteil an grünen CCD-Elementen. Das One­Shot-Aufnahmeverfahren bietet theoretisch die geringste Qualität (Schärfe), ist aber am besten für den mobilden Einsatz und bewegte Motive geeignet und kommt deshalb auch in den Kompakt- und Spiegelreflexkameras zum Einsatz.

Kompaktkameras

Die kompakten Schnappschusskameras sind eigentlich die fotografische Komplettlösung für den «normalen» Konsumenten. Objektiv und Blitz sind fest eingebaut. Die vollautomatische Aufnahmesteuerung (Autofokus, automatische Belichtungsmessung und -steuerung sowie automatisches Zuschalten des Blitzes) ermöglicht es jedermann, einfach (technisch) gute Fotos zu schiessen. Es gilt das Motto «Der Mensch drückt auf den Auslöser, die Kamera macht den Rest».
Neben dem bei Digitalkameras obligaten LCD, das zur Wiedergabe und als Sucher dient, besitzen die meisten Kompaktkameras einen optischen Echtbild- sucher. Dieser ist bei Zoomkameras mit der Aufnahmeoptik synchron geschaltet, damit er den ungefähren Bildausschnitt anzeigen kann. Daneben gibt es einige wenige Spiegelreflexkameras unter den Snapshots, bei denen der Fotograf über ein Prisma und Spiegelsystem durch das Objektiv hindurch sieht und so den Bildausschnitt vornimmt. Identisch in der Bedienung ist die dritte Variante mit Farbbildsucher. Dort befindet sich hinter dem Sucherokular ein Monitor, der – im Gegensatz zum LCD auf der Kamerarückseite – auch bei Sonneneinstrahlung ein klares Sucherbild zeigt, als elektronisches Bauteil jedoch auch an den Batterien zehrt.

Höhere Auflösung und Gimmicks bei Kompaktkomeras

Neben der immer höheren Auflösungen sind bei den Snapshots diverse Tendenzen feststellbar: neben einem gesteigerten Funktionsumfang auch viele Gimmicks wie Videomails (niedrig aufgelöste Videoclips im MPEG, AVI oder QuickTime-Format), integrierter MP3-Player (Fujifilm FinePix 40i), integriertes Diktiergerät (z.B. Toshiba PDR-M70) oder Internet-Anbindung (z.B. Ricoh RDC-i700). In Mode sind auch Gehäuse, die sich vom Gros der Digicams abheben. Dazu gehören besonders kompakte und edle Gehäusen (z.B. Canon Digital Ixus, Sony Cybershot DSC-P1) oder spezielle, wie das der Kodak DC-5000, welche über ein robustes Allwettergehäuse verfügt. Ebenfalls ist ein Trend auszumachen, die Spiegelreflextechnik der breiten Masse zugänglich zu machen (z.B. HP PhotoSmart 912/Pentax EI2000 und Olympus Camedia E-10).
Die Preise für Kompaktkameras sind zwischen 500 und 3000 Franken angesiedelt. Die höherwertigen, die auch professionellen Ansprüchen genügen, kosten um die 2000 Franken.

Anforderungen für professionellen Gebrauch

Für professionelle Anwendungen (z.B. Produkt- oder Porträtfoto für Printpublikation) sind die Kompaktkameras nur bedingt zu empfehlen. Ob sie geeignet sind, hängt wesentlich vom Einsatzzweck und dem Funktionsumfang einer Kamera ab. In der Regel sind nur die Top-Modelle gut genug, denn sie bieten neben Gimmicks auch nützliche Funktionen, die ein kontrolliertes Fotografieren ermöglichen. Generell sind eher höchstauflösende Kameras zu empfehlen, allerdings können sich auch weniger stark auflösende Kameras (mindestens aber 2.1 Mpx) aufgrund eines speziellen Ausstattungsmerkmals (z.B. Kompaktheit) für bestimmte Einsatzgebiet eignen.
Zu den wichtigsten Eigenschaften und Funktionen, über die eine Digicam verfügen muss, gehören die nachfolgenden: Generell sollten Kameras den Anschluss eines externen Blitzgerätes erlauben, sowie ein Filtergewinde zur Befestigung von Vorsatzlinsen besitzen. Auch die Möglichkeit, Fotos bei Bedarf unkomprimiert – meist als TIFF – speichern zu können, ist bei detail- und kontrastreichen Motiven und einfachen Repros unverzichtbar.
Wichtig sind verschiedene Belichtungsmessverfahren. Neben einer Mehrfeldmessung für den universellen Einsatz ist eine Spotmessung Voraussetzung, um etwa freizustellende Objekte vor neutralem (z.B. blendend weissem oder bluebox-blauem) Hintergrund richtig zu belichten. Wichtig für exakte Belichtung des wichtigen Bildtteils sind leicht zugängliche Einstellmöglichkeiten der EV-Lichtwertkorrektur oder auch automatische Belichtungsreihen (Braketing). Unverzichtbar sind zudem die manuelle Vorwahl von Blende und Verschlusszeit, wie auch manuelle Entfernungseinstellung.
Beim Weissabgleich, der die Anpassung an die Farbtemperatur unterschiedlicher Lichtquellen, Tageszeiten und Wettersituationen ermöglicht, benötigt eine Kamera für professionellen Einsatz nicht nur eine Automatik und zwei Voreinstellungen (Tages- und Kunstlicht), sondern es muss möglich sein, mit einem weissen Blatt ein neutrales Weiss auszumessen.
Nützlich sind (Infrarot-)Fernauslöser um die Kamera verwacklungsfrei auszulösen (z.B. Olympus Kameras, Canon PowerShot G1). Zur Not tut‘s auch der Selbstauslöser. Praktisch ist zudem ein RemoteCapture-Programm, womit sich die Kamera per Datenkabel auslösen und sogleich das Foto gross am PC-Monitor anzeigen lässt (z.B. Canon Powershot G1). Diese Feature gehörte früher zu allen Kameratreibern. Seit Kameras allerdings immer häufiger als Laufwerke angesteuert werden, ist es selten anzutreffen. Ideal wären hierfür ohnehin die schnelle USB-2- oder FireWire-Schnittstellen, die jedoch selbst bei den teureren Kompaktkameras nicht zu finden sind.

Action- und Spiegelreflexkameras

Bei den Actionkameras handelt es um Spiegelreflexkameras, die den Anschluss von Wechselobjektiven erlauben. Trotz Preisen von 5000 bis 50000 Franken bieten sie nicht eine grössere Funktionsfülle oder eine höhere Auflösung als die höherwertigen Snapshots. Was die Actionkameras auszeichnet sind ihre schnellen Serienfotos (z.B. Nikon D1), professionelles Handling und eben die Integration in ein Objektivsystem. Die Kameras sind nicht besonders kompakt und leicht, sondern als griffige, ergonomische Werkzeuge zum Fotografieren konzipiert. Kleine Tasten, verschachtelte Menüs zur Funktionswahl, lange Aufstartzeiten und langsames Bilderspeichern sind hier fehl am Platz.
Prinzipiell gibt es zwei Ansätze, eine Actionkamera herzustellen. Entweder wird sie von Grund auf neu konzipiert (z.B. Nikon D1, Canon EOS D30), oder man nimmt eine vorhandene Kleinbild- beziehungsweise APS-Spieglreflexkamera und versieht diese fest mit einem digitalen Kamerarückteil (Beispiele sind die auf Nikon F5 basierenden Kodak DCS 620 mit 2 Mpx und die DCS 660 mit 6 Mpx). Im Gegensatz zu digitalen Rückteilen für Mittel- und Grossformatkameras sind diese fest verbunden und die Kamera selbst ist ai einigen Bereichen umgebaut.
Als Haupttendenz bei Actionskameras ist der Preiszerfall auszumachen. Kosteten bis vor einem Jahr Spiegelreflexkameras über 20‘000 Franken – von wenigen niedrigauflösenden Einsteigermodellen abgesehen – so sind heute Einsteigermodelle, die dem Stand der Technik entsprechen, bereits ab etwa 5000 Franken zu haben.
Was die Anforderungen an diesen Kameratyp anbelangt, so gilt das zu den Kompaktkameras Gesagte auch für alle aktuellen Actionkameras, die von Grund auf diese professionellen Funktionen bieten, und dafür auf Gimmicks wie Videomails, MP3-Wiedergabe und dergleichen verzichten.
Artikel twittern
Artikel teilen
Artikel drucken