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Mac OS X ante portas

Das neue Macintosh-Betriebssystem in der Praxis

Mac OS X ante portas

Mac OS X ist seit März erhältlich und ab Sommer soll es allen Apple-Rechnern beiliegen. Langfristig führt mithin kein Weg daran vorbei. Hier soll geklärt werden, was Mac OS X auszeichnet und inwieweit es sich heute schon einsetzen lässt.

Apple macht es nach dem Umstieg auf den PowerPC vor knapp 10 Jahren schon wieder: alte Zöpfe rigoros abschneiden. Mac OS X ist unter der Oberfläche völlig anders als alle bisherigen Betriebssysteme für den Macintosh. Es ist ein ganz neues und sehr modernes Betriebssystem, das intern mit dem alten Mac OS kaum mehr etwas gemein hat. Mit Mac OS X beschreitet Apple nicht nur völlig neue Wege, sondern erweist sich auch (wieder einmal) als Pionier: Es ist das erste Mal in der Geschichte des Computers, dass ein Mehrbenutzersystem (basierend auf Unix) auf sehr breiter Basis zu den Endanwendern gebracht wird. Bislang waren Mehrbenutzersysteme den Kennern vorbehalten. Doch Apple hat es geschafft, die Leistungsfähigkeit eines modernen Betriebssystems mit der Benutzerfreundlichkeit eines Mac zu kombinieren.

Neue Konzepte

Mac OS X ist völlig anders als das bisherige Mac OS. Es bietet neue Konzepte und Funktionen, die lange gewünscht und sehnlichst erwartet wurden: Speicherschutz, echtes Multitasking, symmetrisches Multiprocessing …

Der Kernel Darwin benutzt eine geschützte Speicherarchitektur, die jeder Applikation einen eigenen Speicherbereich zuweist (präemptives Multitasking). Da die Programme in dem eigenen Speicherbereich isoliert sind und weder in den Speicherbereich eines anderen Programms noch in den des Systems schreiben können, betrifft ein Absturz (so ärgerlich er auch immer sein mag) lediglich dieses eine Programm. Darwin beendet die fragliche Applikation einfach, der Rest des Systems kann nahtlos weiter genutzt werden.

Darwin unterstützt zudem Dualprozessorsysteme. So kann das System zum Beispiel den einen Prozessor für eine komplexe Bildberechnung nutzen, während es dem anderen eine MP3-Datei anvertraut. Im Gegensatz zu früher muss ein Programm nicht mehr explizit dafür optimiert werden.

Ohne diese Konzepte näher auszuführen, sei hier nur gesagt: Sie sollen den Mac stabiler und leistungsfähiger machen, und das tun sie auch. Das neue Betriebssystem will aber auch neuere Rechner sehen: Apple verlangt mindestens einen PowerPC G3 und 128 Megabyte RAM.

Apple hat sich erstmals bei Darwin zu einem für die Firma äusserst ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Der Programmcode von Darwin ist Open Source, was nichts anderes bedeutet, als dass der gesamte Programmcode offen liegt und von jedem Programmierer eingesehen und geändert werden kann. Was in der kommerziellen Welt der Betriebssysteme bisher völlig unüblich war, Linux aber zu seinem grossen Erfolg verholfen hat. Denn an Linux werkeln sehr viele findige und kluge Programmierer, jeder respektive jede Gruppe an einem bestimmten Teil. Und wenn ein Problem auftaucht, ein fehlender Treiber zum Beispiel oder ein Treiberkonflikt, dann braucht es nur noch irgendwo auf der Welt einen Programmierer, der sich dieses Problems annimmt. Es ist also nicht mehr notwendig, dass Apple für alles selbst sorgt.

Und tatsächlich findet sich bereits in der ersten finalen Version von Mac OS Xeine ganze Menge Code, den Freiwillige zur Verfügung gestellt haben. Im Speziellen handelt es sich dabei um Fehlerbereinigungen, die notwendig wurden, weil ungewöhnliche Konfigurationen nicht liefen. Und so kann Mac OS X zunehmend immer besser werden; leistungsfähiger und stabiler, als Apple allein das je leisten könnte.

Dazu wusste Apple auf seiner Webseite Folgendes: Darwin wird unter Apple-Open-Source-Lizenz vertrieben und deshalb können Entwickler rund um den Erdball Apple dabei helfen, aus Mac OS X das beste Betriebssystem des Planeten zu machen.

Alte Hasen werden sich etwas umgewöhnen müssen. Das aber zum Besseren. Anfangs mag man gar nicht glauben, dass tatsächlich alles quasi gleichzeitig funktioniert und kein Prozess den anderen blockiert: Während Classic aufstartet, kann in einem anderen Programm weitergearbeitet werden, und obwohl ein Programm abstürzt, läuft der Rest des Systems völlig stabil weiter …

Sanfter Umstieg

Mit der Classic-Umgebung liegt gewissermassen ein Emulator bei (auch wenn Apple das nicht gern hört, denn Classic läuft nativ und damit schnell unter OS X): Für ältere Programme wird ein komplettes Mac OS 9.1 aufgestartet, in dessen Umgebung sich die alten Programme wohl fühlen und laufen. Das tun sie bis auf wenige Ausnahmen auch anstandslos. Probleme bereiten vor allem all die Programme, die direkt auf die Hardware zugreifen müssen; CD-Brennprogramme oder Disk-Utilities etwa.

Und so wiederholt sich mit der Einführung von Mac OS X dasselbe wie bei der Erstvorstellung des PowerPC: Der Anwender erhält modernste Technologie und kann sich bei all den Programmen, die bereits dafür optimiert sind, über den Leistungs- und Produktivitätsgewinn freuen. Er muss aber auch nicht auf die alten, lieb gewordenen Programme verzichten, die noch nicht angepasst sind. Sie laufen praktisch genauso schnell wie gewohnt unter Classic. (In der Praxis sind sie etwa 10 Prozent langsamer.)

In Zukunft dann wird sich Apples zweiter kluger Schachzug (neben der Emulation) positiv auswirken. Apple setzt nämlich voll auf Mac OS X und liefert alle neuen Rechner damit aus. Für die Hersteller von Programmen gibt es damit kein «Entweder-oder», sondern sie können und müssen für das neue Betriebssystem programmieren.

Annäherung an Aqua

Das GUI (Graphic User Interface) von Mac OS X, die Benutzerschnittstelle Aqua, verbirgt die dem Betriebssystem zugrunde liegenden Konzepte auf äusserst elegante Art und Weise vor dem normalen Benutzer. Er kann das Betriebssystem ganz ohne tiefere Kenntnisse hervorragend für seine Zwecke einsetzen. Doch unter der Oberfläche «lauert» ein waschechtes Unix-Derivat.

Mac OS X ist nichts weniger als ein spannendes Abenteuer. Benutzer, die im Umgang mit dem klassischen Mac OS erfahren sind, mögen geneigt sein, hier zunächst mehr Frust als Lust zu empfinden. Denn nicht alles funktioniert so wie gewohnt. Manches erschliesst sich erst mit Konzepten, die unter dem klassischen Mac OS völlig unbekannt waren.

Was Sie an der Oberfläche sehen, mag ein wenig an das alte, gewohnte Mac OS erinnern. Darunter aber liegt etwas gänzlich Neues. Wenn Sie dieses Wissen im Hinterkopf behalten, dann sind Sie schon gegen ein paar der gröbsten Fehler im Umgang mit Mac OS X gefeit. Als da wären:

  • Ich kenne mich mit dem Mac OS aus, also behandle ich Mac OS X wie Mac OS 9.

  • Ich bin langjähriger Mac-Benutzer und weiss, wie etwas funktioniert. Das wird unter Mac OS X nicht anders sein.

  • Es gibt nichts Neues, ich kenne schon alle Funktionen des OS.

  • Was früher funktioniert hat, wird das auch jetzt tun.

  • Was früher nicht funktioniert hat, geht auch jetzt nicht.

  • All meine (alten) Geräte funktionieren problemlos auf dem OS-X-Macintosh.

  • Wenn Sie genau diese Haltung nicht einnehmen, dann werden Sie wenig Frust und viel Lust mit dem neuen Betriebssystem haben.

Bedenken ob der völlig neuen Systemtechnologie sind übrigens nicht angebracht. Obwohl Mac OS X tatsächlich ein Unix-Derivat ist und die Erwähnung von Command Line Interface, Terminal und kryptischen Befehlen dem einen oder anderen den Schweiss auf die Stirn treiben mag, ist dank Aqua letztlich alles kein Problem: Damit hat der normale Anwender seinen Mac voll im Griff. Die (zu Teilen) weiter gehenden Möglichkeiten der Shell können genutzt werden, müssen es aber nicht.

Ausserdem – weshalb schliesslich arbeiten wir mit Macs? Der einfachen Bedienung wegen. Die ist gegeben. Und täglich erscheinen zunehmend mehr Utilities (meist Freeware), die auch für Einstellungen der Systeminterna ein GUI (Graphics User Interface) zu bieten haben. Statt kryptische Befehlsfolgen ins Terminal einzutippen, werden einfach verständlich benannte Optionen abgehakt.

Grosses Softwarepotenzial

«Weil Unix darunter liegt, läuft auch Unix darauf.» Prinzipiell kann das gesamte, riesige Softwareangebot, das für Unix und Linux existiert, auch für Mac OS X respektive Darwin mit (meist) relativ wenig Aufwand portiert werden. Etliche der wichtigen Unix-Programme, wie zum Beispiel Apache oder MYSQL, gibt es bereits. Tatsächlich nutzt Apple selbst Apache bei Mac-OS-X-Servern als Software für Webserver.

Besonders von den Linux-Programmen werden sehr viele kostenlos (wenn auch unter Lizenz) verteilt und für den Benutzer des modernen Mac OS steht jetzt und in Zukunft das Hineinwachsen in einen riesigen Softwarepool an. Die (neue) Macintosh-Welt erlebt eine Flut bislang noch nicht gesehener Anwendungen und Hilfsprogramme. Denn neben Bekanntem, das für das neue Betriebssystem übertragen wird, kommt jetzt auch viel Neues aus der Unix-Welt auf den Macintosh. Was daran auch noch besonders schön ist: Sehr vieles davon wird als Freeware oder unter der GNU-Lizenz veröffentlicht, kostenlos also.

Netzwerk

MAC OS X unterstützt augenblicklich folgende Netzwerkprotokolle:

  • AFP Client – das «Apple File Protocol», wie es auf Systemen mit MAC OS 9 benutzt wird. Es funktioniert allerdings nur, wenn TCP/IP aktiviert ist.
  • NFS Client – das «Network File System» ist das wichtigste Protokoll für den Datenaustausch in der Unix-Welt.

    Mac OS X kann nur per TCP/IP auf AppleShare zugreifen. Das bedeutet, dass ein Rechner mit OS X nur zu solchen Servern mit klassischem Mac OS Kontakt aufnehmen kann, in deren Kontrollfeld «File Sharing» sich die Option «Clients greifen auf File Sharing per TCP/IP zu» einstellen lässt. Als Server eignen sich damit nur Macs, auf denen System 9 läuft.

    Die Tatsache, dass Mac OS X das Protokoll TCP/IP von den Servern verlangt, kann zu dem zunächst unverständlichen Effekt führen, dass der Mac-OS-X-Client nicht alle Rechner in einem Netzwerk sieht, obwohl alle Rechner im klassischen Netzwerk einander einwandfrei erkennen. Doch die Erklärung liegt auf der Hand: Mac OS X kann eben nur jene Server sehen, auf denen FileSharing per TCP/IP eingeschaltet ist. Alle anderen nicht.

    Als Server-Betriebssystem eignet sich Mac OS X natürlich auch. Prinzipiell sollte es möglich sein, auch von einem älteren Macintosh aus auf einen X-Server zuzugreifen. Denn TCP/IP ist nur für Fileserver unter dem klassischen Mac OS notwendig. Für einen Client ist das nicht zwingend. Uns ist es allerdings nicht gelungen, einen älteren Power Macintosh mit System 7.6.1 mit einem OS-X-Server zu verbinden. Ein Client mit Mac OS 9.1 dagegen machte keine Schwierigkeiten (auch ohne die Option TCP/IP). Vielleicht haben Sie ja mit System 8 mehr Glück als wir mit System 7.

    Schnelle Entwicklung bei Serverlösungen

    Für andere Netzwerkprotokolle gibt es beispielsweise die kostenlose Serverapplikation Samba, mit der sich Daten mittels des CIFS/SMB-Protokolls im Netzwerk zur Verfügung stellen lassen. Das heisst nichts anderes, als dass Sie Daten in einem Windows-Netzwerk bereitstellen können. Windows-Rechner können damit auf die Ressourcen von Mac OS X zugreifen und Mac OS X kann auf die Netbios-Ressourcen zugreifen.

    Als «echte» Unix-Applikation hat Samba den Vorteil, dass es sehr weitgehend konfigurierbar ist und den Nachteil, dass es über ASCII-Dateien gesteuert werden muss. Doch die Benutzerfreundlichkeit von Mac OS X, auf die viele wohl nicht verzichten möchten, trägt auch hier erste Früchte: Mit Xamba steht eine Benutzeroberfläche für Samba zur Verfügung, mit der sich das Programm deutlich komfortabler konfigurieren lässt. Informationen zu den Samba-Versionen für Mac OS X unter http://xamba.sourceforge.net/.

    Es lohnt sich, im Internet nach Serverlösungen zu fahnden, da eine rege Entwicklung im Gange ist. Eines scheint sich jetzt schon abzuzeichnen: Das Betriebssystem «Mac OS X Server» wird zunehmend überflüssig. Denn es ist eine recht Mac-spezifische Lösung, die sich vor allem als Server für Macintosh-Rechner mit dem klassischen Mac OS eignet. Dafür bietet es einige ganz pfiffige Lösungen. Beispielsweise kann ein Client über das Netzwerk gebootet werden, und er holt sich dabei vom Server auch gleich die komplette Arbeitsumgebung (Programme, Ordner, Dokumente) ab. Dank dem so genannten «NetBoot» kann sich ein Benutzer von einem beliebigen Mac aus ins Netzwerk einloggen und seine Arbeitsumgebung, ganz so wie er sie gewohnt ist, aufstarten.

    Mac OS-X-Server kann zwar auch als Server für Windows und das Internet konfiguriert werden, erledigt dies aber mit Hilfe der kostenlosen Programme Samba und Apache – und die können Sie sich auch unter Mac OS X installieren.

    Leistung

    Die Erfahrungen mit den System­anforderungen und der Schnelligkeit von Mac OS X fallen sehr unterschiedlich aus. Es gibt Berichte zufriedener Anwender, die bei geringeren Voraussetzungen gute Erfahrungen mit dem Betriebssystem gemacht haben. Andere berichten hingegen trotz «übererfüllter» Voraussetzungen eher Negatives.

    Unsere eigenen Erfahrungen laufen darauf hinaus, dass Mac OS X auf einem PowerBook G3 mit 500 Megahertz und 256 Megabyte RAM sehr flüssig und zuverlässig läuft. Wir haben das PowerBook so eingerichtet: Auf einer ersten, zwei Gigabyte grossen Partition befindet sich ein altes System 9.1, angepasst und aufgepeppt mit fremden Systemerweiterungen. Das war und ist unser bevorzugtes Arbeitslaufwerk für das klassische Mac OS. Auf einer zweiten Partition mit 5 Gigabyte befindet sich ein neues, «sauberes» OS 9.1 und darüber wurde Mac OS X installiert. Das ist unser Arbeitslaufwerk für Mac OS X und die Classic-Umgebung. Und damit gibt es soweit keine Probleme. Ganz im Gegenteil herrscht hier die reine Freude, sowohl über das ältere wie über das neuere Betriebssystem.

    Der Start von Mac OS X benötigt – je nach Rechner – etwa 150 Sekunden. Classic braucht dann noch einmal rund 60 Sekunden. Die Aufstartzeit von OS X ist aber insoweit kein grosses Thema, als das Betriebssystem aufgrund der neuen Konzepte ständig laufen kann; crashende Programme (auch Classic) werden ohne Schaden für die System­umgebung einfach neu gestartet. Stürzt ein Programm unter Classic ab, dann reisst es dagegen in der Regel das gesamte Classic mit sich. Aber wenigstens darf auch das dann ohne weiteres wieder neu gestartet werden.

    Noch aber sind OS X und die nativen Programme nicht komplett optimiert: Der Start eines vergleichbaren Programms unter OS X dauert länger als der unter Classic (sofern Classic erst einmal aufgestartet ist). Classic-Programme laufen meist fast so schnell wie gewohnt, manche Rechenopera­tionen sind unter Classic unter Umständen sogar ein wenig schneller. In der Summe ist ein Programm unter Classic nicht ganz so schnell wie unter einem direkt aufgestarteten OS 9, aber auch nicht allzu viel langsamer. Photoshop etwa brauchte für eine 39 Megabytes grosse Tiff-Bilddatei (Öffnen, Modusänderung, Bildgrösse, Speichern) unter OS 9.1 rund 41 Sekunden. Unter Classic dauerte dieselbe Operation zwischen 44 und 59 Sekunden, je nachdem, wie viele weitere Programme unter Classic und OS X liefen. Besonders die Dateioperationen Öffnen und Speichern wurden dann langsamer.

    Kompatibilität

    Bis auf die bereits angesprochenen Hardware-Einschränkungen gibt es kaum Funktionseinbussen in der Classic-Umgebung zu vermelden. Bei uns liefen Office 2001, FreeHand 8, Photoshop 5.5, QuarkXPress 4.1, RagTime 5.5, Acrobat 4.0, Distiller 4.0 und viele andere einwandfrei.

    Laut Adobe laufen auch Illustrator und PageMaker. Mehr Infos dazu gibt es unter www.adobe.com/products/adobesuppurtsOSX.html.

    Lediglich der Adope Type Manager ist in der Deluxe-Version inkompatibel zu OS X (sowieso) und (leider auch) zu Classic. Die Light-Version von ATM jedoch läuft unter Classic. Da unter OS X native Programme dank integrierten Zeichensatztreibers PostScript-gerendert werden, ist ATM Light hierfür überflüssig. Und bezüglich professioneller Fontmanager für OS X verweist Adobe auf Suitcase, das laut Extensis angepasst wird.

    Zwar gibt es des Öfteren von kleineren kosmetischen Fehlern (Fensteraufbau) zu berichten, die sind aber auch nicht dramatischer als jene, die in den Ver­sions- und Kompatibilitätshinweisen der Programme schon immer auch für das klassische OS standen.

    Druck

    Keinerlei Probleme sollte es mit der Ausgabe auf PostScript-Druckern geben, denn die werden – ebenso wie TrueType- und PostScript-Zeichensätze – sowohl von den Betriebssystemen OS X wie Classic direkt unterstützt. Bei anderen Druckern funktionieren in der Regel die Treiber von OS 9 – allerdings nur unter Classic. Tipp: Versuchen Sie es mal mit abgeschaltetem Hintergrunddruck, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Für den Druck unter Mac OS X braucht es eigene, native Treiber, wie sie zum Beispiel Epson und Hewlett Packard für ihre neueren Tintenstrahldrucker anbieten.

    Installieren oder Abwarten?

    Mac OS X ist das Betriebssystem der Zukunft. Mindestens für Apple-Rechner, denn wie zu zeigen war, hat es anderen Betriebssystemen einiges voraus. Weniger hinsichtlich des modernen Betriebssystemkonzeptes (das bieten Unix und Linux auch) als vor allem hinsichtlich der Benutzeroberfläche. Da war und ist Apple einfach stark. Ein so mächtiges System mit so einfacher Benutzeroberfläche gab es bislang nicht.

    Im gegenwärtigen Stadium – gelegentlich zu Unrecht als Beta-Test verunglimpft – hat das System zwar noch einige Haken und Ösen. Insbesondere die fehlende Hardwareunterstützung (DVD, CD-Brenner, Dongles usw.) ist hier zu nennen. Doch das Konzept ist stimmig, die Implementation hervorragend und innert eines guten Jahres wird die Umstellung auf Mac OS X sowohl seitens Apples als auch seitens der Programmentwickler wohl nahtlos vollzogen sein.

    Da mittelfristig kein Weg an Mac OS X vorbeiführt (und darüber soll man sich freuen), ist anzuraten, das System jetzt zu installieren und sich schrittweise mit den Konzepten und Möglichkeiten vertraut zu machen. Das meiste funktio­niert, wenn auch zum grossen Teil noch unter Classic. Wird OS 9.1 direkt gebootet, dann funktionieren auch die hardwarenahen Geräte wie gewohnt.

    Ideal ist es im Augenblick sicherlich, den einen oder anderen Rechner – gewissermassen zu Studienzwecken – mit OS X auszurüsten, die «Arbeitspferde» aber erst einmal unter dem klassischen Mac OS weiterlaufen zu lassen.

    Für die Zukunft verspricht Mac OS X ein hervorragend bedienbares, extrem stabiles und dank präemptivem Multitasking noch produktiveres System. Damit dessen Potenzial voll genutzt werden kann, ist es aber notwendig, dass auch die Programme nativ vorliegen. Alle wichtigen Hersteller wie Adobe, Quark, MacroMedia usw. haben native Versionen für spätestens Sommer oder Herbst angekündigt.

    Abzuwarten bleibt, inwieweit diese nativen Programmversionen neue, interessante Funktionen bieten. Auch davon wird abhängen, wie schnell der Übergang auf Mac OS X im eigenen Betrieb vonstatten geht. Schliesslich wird der Anwender für das Update bezahlen müssen. Und das lohnt sich nur, wenn sich die Funktionalität – und damit Produktivität und Amortisation – sichtlich erhöht.

    Doch ganz egal, ob der Umstieg schnell oder langsam vollzogen wird: Mac OS X kommt mit Macht und es lohnt sich schon heute, dieses Betriebssystem anzutesten und kennen zu lernen. Und sei es «nur» der schönen Benutzeroberfläche Aqua wegen.

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