Professionell muss nicht teuer sein
VivaDesigner 7 ist eine Layoutsoftware mit ansehnlichem Funktionsumfang zu einem sehr günstigen Preis. Der anspruchsvolle Layouter kann damit Foto- und andere Bücher professionell gestalten, ohne auf etablierte Layoutprogamme angewiesen zu sein.
markus zuber Der Markt mit digitalen Fotobüchern boomt. Viele Anbieter stellen ihren Kundinnen und Kunden kostenlose Applikationen zur Verfügung, die entweder webbasiert sind oder mit geringem Funktionsumfang als Applikation direkt unter OS X oder Windows laufen.
Eier legende Wollmilchsau gesucht
Bei der Planung der FineArtPix-Bookmaster-Workshops haben wir uns auf die Suche nach einer kostengünstigen DTP-Software gemacht, die zum einen die notwendigen Werkzeuge zur Erstellung eines Musterlayouts bietet und zum anderen auch typografische Feinheiten für die Einbindung von Textpassagen mit professionellen Schriften ermöglicht. Diese Software sollte zudem OS-X- und Windows-tauglich und mit relativ geringem Aufwand erlernbar sein. Entscheidend war zudem die optimale Schnittstelle für den Export von massgeschneiderten PDF-Dateien nach den Vorgaben der Online-Buchdienstleister.
Gefunden: VivaDesigner 7
Auf der eher unscheinbaren und für Gestalter gewöhnungsbedürftigen Website der Firma Viva wird der VivaDesigner in der Version 7 beworben. Die Software ist OS-X-, Windows- und Linux-tauglich und sieht dank einem Framework auf allen Plattformen in etwa identisch aus. Erste Tests mit der ersten 7er-Version zeigten, dass diese Software grosses Potenzial aufweist. Als QuarkXPress- und (selten auch) InDesign-Praktiker haben wir uns durch unsere Gewohnheiten beim Kennenlernen dieser Software mit deren Philosophie anfänglich etwas schwergetan. Insgesamt sind Aufbau und Workflow aber denjenigen von QuarkXPress recht ähnlich. Die Funktionen sind im Gegensatz zu anderen bekannten und getesteten Applikationen rasch zu finden und können einfach genutzt werden. Nach ein paar Updates in kurzer Folge wurden von Viva – einem Unternehmen mit Sitz im deutschen Koblenz – teilweise auf unseren Wunsch hin neue Features eingebaut und die generelle Stabilität verbessert. An dieser Stelle soll dem Viva-Support Lob ausgesprochen werden, welcher innert 24 Stunden brauchbare Antworten und Lösungen bot – im Softwarealltag selten so zu erleben …
Die Philosophie
Grundsätzlich arbeitet der VivaDesigner rahmenorientiert. Dieser Umstand ist für Anwender, die von einer Textbearbeitungssoftware wie Word kommen, neu und ungewohnt. InDesign- und XPress-User werden sich darin aber rasch wohlfühlen. Etwas gewöhnungsbedürftig sind für alte DTP-Hasen die so genannten Aliasobjekte, mit denen Musterseiten gestaltet werden können. Aliasobjekte sind in der Regel Text- oder Bildmusterrahmen, die entweder immer dieselbe Information (z.B. Logo, Banner) enthalten oder aber variabel gefüllt werden können. Defaultmässig geht der VivaDesigner davon aus, dass die Aliasobjekte stets dieselbe Information oder aber automatische Variablen wie fortlaufende Seitenzahlen enthalten. Wird das Objekt auf der Musterseite verändert, ändern sich automatisch auch alle anderen zugehörigen Aliasobjekte. Im Dokument selbst können diese Inhalte nicht verändert werden. Um die Inhalte freizugeben, also veränderbar zu machen, muss die Eigenschaft auf Aliasinhalt variabel gestellt werden. Attribute wie Skalierung oder Bildposition bleiben aber nützlicherweise erhalten. Aliasrahmen für Bildobjekte wurden auf unser Ersuchen hin in die Version 7 integriert, sodass dem Arbeiten, wie wir es von Quark-XPress gewohnt sind, kaum mehr etwas im Weg steht.
Beginnen wir aber ganz vorne: Das Installationsprozedere erfordert ein sauberes Vorgehen, das gut dokumentiert ist. Die Software läuft unter Windows, OS X und Linux. Falls benötigt, müssen Farbprofile in den Ressourcen abgelegt werden. Einmal installiert, kann es mit der Bucherstellung losgehen. Es empfiehlt sich, bei den entsprechenden Online-Fotobuchanbietern zunächst die genauen Dokumentformate zu recherchieren. Das ist gerade bei Blurb Inc. nicht ganz einfach, da dort in Inches gerechnet wird. Die Verwendung von InDesign-Templates und einem speziell dafür entwickelten Plug-in würde die Sache erleichtern. Blurb und Bookfactory bieten aber gute Berechnungshilfen, um die exakten Dimensionen zu bestimmen.
Wird ein neues Dokument erstellt, sehen wir schon bei der Eingabe der Dokumentvorgaben, wie sich das Groblayout in etwa präsentieren wird. Seine Eigenschaften lassen sich später wieder abrufen und verändern. Bereits jetzt können Aliasobjekte für den Text oder aber nur Hilfslinien, basierend auf der recht nützlichen Rasterdefinition, erstellt werden. Textaliasobjekte können auch nachträglich in Bildaliasobjekte umgewandelt werden. Wird der VivaDesigner zum ersten Mal benutzt, müssen ein paar Voreinstellungen zur Sprache, zu Einheiten, zur Farbdarstellung und zu Pfaden zu Hilfsprogrammen vorgenommen werden. Beim Finetuning der umfangreichen Präferenzen zur Verwendung der Software gibt es eine Vielzahl von Optionen, welche besser nur von absoluten Typo-Profis angerührt werden sollen.
Musterseiten aufbauen
Analog zum Vorgehen in QuarkXPress erstellen wir unsere Musterseiten – in VivaDesigner Aliasseiten genannt – mithilfe der bereits erwähnten Aliasobjekte. Rahmenobjekte für Text und Bild können auch als Hilfsobjekte zur Ausrichtung verwendet werden. Über die praktische Option Teilen können wir einen Rahmen, den wir innerhalb der Ränder aufgezogen haben, in mehrere Hilfsobjekte mit definiertem Abstand aufteilen. Diese können wir anschliessend als Rasterhilfe verwenden.
Typografische Vorgaben
Sind die Grundlagen für das Layout geschaffen, kümmern wir uns um die Typografie. Der VivaDesigner erlaubt das registerhaltige Arbeiten. Registerlinien können sogar nummeriert angezeigt werden. Zur konsequenten Gestaltung analog zu den Layoutrastern arbeiten wir mit umfangreichen Stilvorlagen, in denen alles eingestellt werden kann, was man sich aus typografischer Sicht vorstellen kann. Man kann diese aber auch auf ein paar einfache Einstellungen, basierend auf einer vorher erstellten Textformatierung, beschränken. Bei der Bearbeitung der Textpassagen lässt sich die Zuordnung der Stilvorlagen mit Farbmarkierungen anzeigen. Eine gute Hilfe für die effiziente Schlussprüfung.
Eine Rechtschreibe- und eine Grammatikprüfung sind zwar ebenso vorhanden, doch erschweren sie das zügige Schreiben im VivaDesigner. Diese können aber hilfreich sein, wenn es um die Überprüfung von importiertem Text geht.
Für das Einsetzen von Sonderzeichen stellt der VivaDesigner eine interaktive Zeichenpalette zur Verfügung. Ein spezieller Leckerbissen ist der Zeicheninspektor, der eine horizontale Kerningoptimierung und eine vertikale Verschiebung der Zeichen ermöglicht.
Zeilenabstand, Zeichenabstand etc. sind selbstverständliche Optionen. Als noch etwas «eckig» gestaltet kann die Schriftpalette bemängelt werden, die bei manchem Gestalter den Bildschirm füllen kann, da die Schriften in bildschirmlangen Spalten nebeneinander angezeigt werden. Dadurch kann die Navigation zum gewünschten Font auf einem Trackpad etwas schwierig werden.
Das Arbeiten mit Bildern
Der VivaDesigner erlaubt den Import einer Vielzahl von Bildformaten (inklusive PDF-Import). Einmal ins Dokument importierte Bilder werden in einer Bilderliste erfasst und in den Bildercache aufgenommen. So kann sehr rasch mit derart erfassten Bildern gearbeitet werden. Dimension und Position der Bilder können sehr präzise über die Modulpalette gesteuert werden.
Das Layout füllen und verändern
Mit dem Ziel der Gestaltung eines Fotobuches mit Textpassagen haben wir uns bereits Gedanken zum Inhalt und zum Gesamtkonzept gemacht. Basierend auf den Musterseiten und den Stilvorlagen erstellen wir nun sehr rasch unser Buch. Dank der praktischen Seitennavigation, welche Seitenminiaturen anzeigen kann, finden wir uns im Dokument schnell zurecht und löschen sicher nicht die falschen Seiten. Das Verschieben mehrerer Seiten ist im Moment nicht möglich. Vom Verschieben einzelner Seiten sollte im Doppelseitenmodus allerdings abgesehen werden.
Ende gut alles gut: der Export
Der VivaDesigner bietet ein recht komfortables und übersichtliches Export- und Druckpanel. Für den PDF-Export stehen die für unseren Bedarf ausreichenden PDF-Optionen zur Verfügung, die in einem Set abgespeichert werden können. Ein Einlesen von Joboptions ist nicht möglich. Es können aber auch Postscript-Daten exportiert und im Distiller konvertiert werden. Weitere Exportformate sind EPS, JPG und PNG. Die direkt ausgegebenen PDF-Files haben bei unseren Tests mit Blurb und Bookfactory bereits einwandfrei funktioniert.
Auch die Arbeit auf verschiedenen Rechnern stellt für den VivaDesigner kein Problem dar. Mit dem Befehl Packen und Versenden kann die Hauptdatei mit Bildern und Schriften (falls gewünscht) gesammelt und optional komprimiert werden. Das Sammelverzeichnis kann, wie für QuarkXPress- und InDesign-Anwender gewohnt, auf einen anderen Rechner kopiert und dort weiterbearbeitet werden – die nun notwendige neue Verknüpfung mit den Bildern erfolgt sehr einfach über die Bildübersicht. Online-DTP-Applikationen bieten diese Option nicht. Auch andere getestete DTP-Applikationen sind auf Einzelarbeitsplätze ausgerichtet. Für die Zusammenarbeit mit Servicebüros steht auch die Option des raschen Versendens mit einer speziellen Sendeapplikation zur Verfügung. Die Firma Viva ist auf das Distributed Publishing spezialisiert, weshalb sich in diesem Bereich noch einiges tun wird.
Fazit
Den VivaDesigner gibt es in zwei Versionen: als Free-Version und als Pro-Version. Wer für den Eigenbedarf Flyer erstellen möchte, ohne Silbentrennung und ohne Exportoptionen, ist mit der kostenlosen Version bereits sehr gut bedient. Mit einem Preis von 149 Franken ist die Personal Edition für Privatanwender mehr als attraktiv. Die Commercial Edition kostet 349 Franken. Verglichen mit QuarkXPress oder Adobe InDesign würde das Interface des VivaDesigners nicht gerade die Schönheitskonkurrenz gewinnen, ein Facelifting würde aber auch seine Kosten in die Höhe treiben.
Nachdem wir verschiedene Applikationen auf unsere Bedürfnisse hin getestet haben, können wir den VivaDesigner 7 als ideales Werkzeug zur Erstellung und zur Gestaltung anspruchsvoller (Foto-)Bücher empfehlen. Daneben eignet er sich auch für die Erstellung von Werbedokumentationen und in Verbindung mit einer Datenbanklösung auch für das interaktive Erstellen von Katalogen. In jedem Fall gilt: Test vor Kauf – und das ist auch hier problemlos möglich.
TeilenVivaDesigner 7
Gutsehr gutes Preis-Leistungs-VerhältnisPlattformübergreifend auf OS X, Windows und LinuxAlle wichtigen Funktionen sind enthaltenWichtigste Funktionen sind leicht zugänglichRelativ kurzer LernprozessKompatibilität mit diversen Text- und BildformatenGute Silbentrennung in den SprachmodulenImport von InDesign-Dateien (.idml) möglichSchneller und kompetenter SupportRasche Behebung von BugsRasche Implementierung wichtiger Tools
Optimierbar
Seiten verschieben (im Moment nur mit Einzelseiten möglich)
WYSIWYG-Menüs für Fonts zu klein, mehrspaltige Schriftübersicht heikel in der Navigation
Styling
Steuerleiste für Steuerung der wichtigsten Text- und Grafikattribute wünschenswert
Aliaskonzept gewöhnungsbedürftig, aber sehr flexibelKeine Einbindung von Job-OptionsAktivierung mit Key Updater bei jedem Update notwendig
Bezugsquellewww.vivadesigner.de
Bookmaster-Workshops
FineArtPix bietet seit Herbst 2011 auch so genannte Bookmaster-Workshops zur Erstellung qualitativ hochwertiger Fotobücher auf Basis von VivaDesigner an. In diesen Workshops wird exklusiv das neue Workbook «Bookmaster: von der Bildserie zum Fotobuch» abgegeben.
Der Autor
Markus Zuber, ursprünglich Biologe, ist heute als Fotograf, Fine Art Printer sowie als Buchautor und -gestalter tätig. Als Geschäftsführer von FineArtPix unterrichtet er in Aarau zusammen mit Roberto Casavecchia und Ferit Kuyas zu den Themen RAW-Workflow, Fine Art Printing und neu zur Erstellung von Fotobüchern.




