Publisher-Cover: Digitaldruck-Mattlack auf Glanzpapier
Das auf einem HP-Indigo-Digitaldrucksystem produzierte Cover dieses Heftes spielt mit Mattlack-Effekten auf dem glänzend gestrichenen Mega von Antalis. Ausgangspunkt für die Gestaltung war ein Acrylbild von Ralf Turtschi.
Nachdem das letzte Cover mit der Gummihaptik sehr volltonig daherkam, entschieden wir uns für etwas Leichtes, winterlich Weisses. Ralf Turtschi gestaltete das Cover auf der Basis seines Acrylbildes «Gedankengarten» (siehe Kasten).
Mega gloss von Antalis
Da es sich um einen Mattlack handelt, ist der Effekt desto grösser, je glänzender die Flächen sind, auf die er aufgebracht wird. Das Papier spielt also eine wichtige Rolle. Wir entschieden uns für das Mega gloss von Antalis. Es handelt sich dabei um eines der edelsten standardgestrichenen Papiere am Markt (siehe Kasten). Auf diesem Papier mit seinem glatten Strich kann die HP Indigo ihre Stärken voll ausspielen: Die blauen Flächen auf der vierten Umschlagseite liegen perfekt ruhig und zeigen absolut keine «Digitaldruckstreifen». Somit kommt auch der Mattlackeffekt sehr schön zur Geltung.
Das Sujet auf der Frontseite ist drucktechnisch weniger anspruchsvoll. In die verschlungenen Schnörkellinien kann der Lackeffekt zwar raffiniert hineinspielen, doch ist der Effekt dabei viel weniger markant als auf der ruhigeren Rückseite. Auch beim Publisher-Schriftzug oben auf der Seite muss man das Heft schon etwas im Licht hin und her neigen, um die mit dem Mattlack negativ freigestellten Buchstaben zu erkennen. Auf dem Papierweiss ist der Effekt deutlich weniger augenfällig als auf vollfarbigen Flächen.
HP Indigo press der Mikro+Repro AG mit Mattlack
Produziert wurden die Covers von der Mikro+Repro AG in Baden, welche als erste Schweizer Druckerei über eine HP Indigo press 3050 mit Mattlack-Option verfügt. Dabei wird das fünfte Farbwerk der HP Indigo press mit dem Mattlack-Flüssigtoner, der «digital matt ink», bestückt. Diese verhält sich im Druckprozess genau gleich wie eine zusätzliche Volltonfarbe. Im Gegensatz zu anderen Veredelungsverfahren für den Digitaldruck ist hier also kein zusätzliches Gerät und damit auch kein Mehraufwand erforderlich. Einziger Wermutstropfen: Es handelt sich hier um einen reinen Effektlack und nicht um eine zusätzliche Schutzschicht.
Obwohl unsere Covers für die Mikro+Repro AG der erste «scharfe» Einsatz dieser neuen Technologie waren, gab es damit keinerlei Probleme. Da der Mattlack im fünften Farbwerk eine zusätzliche Drehung der Drucktrommel erfordert, sinkt die Seitenleistung des Indigo-Systems damit um 20 Prozent. Das ergibt aber immer noch 1600 einseitige bedruckte A3-Bögen pro Stunde. Somit betrug die Nettodruckzeit für die 9000 Covers rund zehn Stunden. Da zwischendurch auch noch andere Jobs auf der Indigo liefen, erstreckte sich die Produktion über zwei Tage.
Die Mikro+Repro AG verspricht sich, mit dieser Mattlack-Veredelung zusätzliche Kundensegmente ansprechen zu können, speziell auch in Verbindung mit Personalisierung. Die Mehrkosten für den Mattlack-Effekt halten sich mit einem Zuschlag von rund 20 Prozent in Grenzen. Vor allem für gehobene Kleinauflagenprodukte wie Einladungs- oder Postkarten dürfte der Mattlack schnell auf guten Zuspruch stossen.
Einfacher Prepress-Workflow
In der Druckvorstufe erfordert der Mattlack keinen grossen Mehraufwand. Man definiert einfach eine Volltonfarbe mit der Bezeichnung «Digital Matte» (siehe Abbildung linke Seite) und das ist es denn schon. Die HP Indigo ordnet diese dann automatisch dem fünften Farbwerk mit dem Mattlack zu. Einzig beim Ausdrucken auf einem normalen Laserprinter ist es schwierig, einen richtigen Eindruck des fertigen Produktes zu gewinnen. Ein Andruck auf der HP Indigo ist somit ein absolutes Muss.
Zielgruppen-Individualisierung mit Tradition
Schon zwei Jahre Tradition hat beim Publisher dank der digital gedruckten Covers die Individualisierung der Angebote auf der dritten und vierten Umschlagseite. Auf der dritten Umschlagseite habe wir diesmal je ein separates Angebot für zahlende Abonnenten und für Probeabonnenten. Auf der vierten Umschlagseite sind es je unterschiedliche Angebote für Werber, Fotografen, Prepress, Druckereien und den Rest. Ab dem nächsten Jahr werden wir versuchen, die Werbeflächen auf den Umschlagseiten je Zielgruppe zu verkaufen. So kann ein Inserent zum Beispiel die Zielgruppe der Fotografen mit einer ganzen Seite ansprechen zu einem Preis, zu dem er in der ganzen Auflage nicht einmal eine Viertelseite bekäme. Als regelmässiger Leser des Publisher werden Sie ja sehen, ob wir damit Erfolg haben ...
Trend zur «Rich Experience»
Spezialeffekte und die Veredelung von Drucksachen sind immer häufiger anzutreffen. Bei der Frage nach dem Grund liegt es nahe den Bogen zu schlagen zu den Statements von Adobe-CEO Bruce Chizen in unserem Interview (siehe Seite 16): Er vertritt dort die Meinung, dass es immer bedeutender sein wird, dem Nutzer von Medien eine «Rich Experience» zu bieten. Nur so könne man als Publisher seine Botschaften aus der riesigen Menge an Information herausragen lassen, so dass sie auch Beachtung finden. Und damit dürften Individualisierungen und Veredelungen bei Drucksachen etwa dem entsprechen, was Adobe im Web mit der neuen Apollo-Technologie vorschwebt.
Produktions-Partner
Bei der Produktion des Covers unterstützten uns folgende Partner, bei denen wir uns herzlich bedanken möchten:
Agenturtschi
Kreation des Umschlages durch:
R. Turtschi AG
Visuelle Kommunikation
www.agenturtschi.ch
Antalis AG
Umschlagpapier «Mega gloss»
Kontakt: Hugo Schoder
Antalis AG, 5242 Lupfig
www.antalis.ch
Mikro+Repro AG
Druck der Covers mit HP Indigo press 3050
Kontakt: Arthur Schärer
www.mikrorepro.ch
Chromos AG
Projektmanagement: Bruno Brechbühl
Systemmanagement: Guy Meyer
Kontakt: www.chromos.ch
Mikro+Repro AG mit HP Indigo press
Die aus der BBC hervorgegangene Mikro+Repro AG ist seit 1992 ein eigenständiges Unternehmen, das seine Herkunft aus dem industriellen Druck und dem Mikrofilm nutzt, um verschiedenen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Seit August 2005 druckt Mikro+Repro farbige Aufträge auf einer HP Indigo press 3050, die jetzt zusätzlich mit der Mattlackoption ausgerüstet wurde.
Mit «e-printing by mikrorepro» verfügt die Firma über ein modernes Drucksachen-Webportal. Dieses automatisiert die Bestellung von druckfertigen Aufträgen und eignet sich daher vor allem für vorproduzierte Druckerzeugnisse oder Werbeartikel mit geringem kreativem und variablem Anteil. Trotzdem können Texte und Bilder an vordefinierten Stellen in den PDF-Vorlagen individuell angepasst werden.
Mit dem System hat der Besteller über ein datenbankgestütztes Jobmanagement den ständigen Überblick über den Status seines Auftrages. Anwendungen über e-printing by mikrorepro sind beispielsweise Adresseindrucke bei Broschüren für Händlernetze oder variable Texte bei Geschäftspapieren, Mailings und Visitenkarten.
Für einen grossen Schweizer Detailhändler fertigt das Badener Unternehmen die Beschriftungen der Verkaufsflächen an. Auch dafür wird ein Online-Portal verwendet, damit jede Filiale ihre individuellen Kampagnen und Beschriftungen im Corporate Design kreieren und in der gerade benötigten Menge bestellen kann.
Mega gloss von Antalis
Beim «Mega gloss», für das wir uns bei diesem Cover entschieden, handelt es sich um eine der edelsten Sorten in der Kategorie der standardgestrichenen Papiere. Der hochwertige Strich macht es zu einem klassischen Bilderdruckpapier, das gleichermassen für den Offset- und Digitaldruck geeignet ist. Es ist prädestiniert für Veredelungen mit Lack wie bei unserem Cover oder auch für Heissfolienprägung. Neben dem hier verwendeten «gloss» gibt es das Mega auch als «silk» in einer halbmatten Variante. Damit stehen dem von Zanders in Bergisch Glattbach produzierten Papier vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Geschäftsberrichte, Magazine, Kataloge und Bücher offen.
Das Mega reiht sich neben dem Kunstdruckpapier Ikono und dem gussgestrichenen Chromolux perfekt in Zanders Palette an hochwertigen gestrichenen Papieren ein. Es zeichnet sich dabei durch ein besonders gutes Preis-/Leistungsverhältnis aus.
Mega ist bei Antalis in den gängigen Bogengrössen in Gramaturen von 90 bis 350 g/m2 ab Lager lieferbar.
Von Acrylbild zum Mattlackcover
Das Publisher-Cover kennt eine grosse Schwester: Ein Acrylgemälde auf Leinwand von Ralf Turtschi. Als Vorarbeiten für die Malerei wurde ein Bild der Photo-CD von Rubberball «silhouettes of bodies in motion» in Photoshop und Illustrator umgesetzt. Die Komposition wird mit dem LCD-Projektor auf die Leinwand projiziert und mit Acryl gemalt.
«Gedankengarten» von Ralf Turtschi, Acryl auf Leinwand, 100×80 cm, Preis Fr. 500.–.
Infos: Ralf Turtschi, Tel.+41 (0)44 712 60 91.
Das Zwischenprodukt für die Malerei wird nun interessant als Datei für das Publisher-Cover. Es muss entsprechend erweitert und formal angepasst werden. Da es diesmal um digital gedruckten, matten Drucklack geht, wird Vorstellungskraft verlangt. Was soll im Druck deutlich erscheinen, und was soll erst durch die Spiegelung als Lack erkennbar sein? Wie werden die Leser auf ein wiederum völlig ungewohntes Cover reagieren? Welches Papier eignet sich am besten? Die ersten Entwürfe werden verfeinert und verdichtet, bis das Thema ausgereizt ist.
Ein Andruck aus der Maschine ist unabdingbar. Wie wirkt der Lack auf hochglänzendem, weissem Papier? Hier ist der Lack als gelbliche Farbe dargestellt. Zwei Varianten stehen zur Auswahl: Links ist der Titel Cyan gedruckt, rechts nur im matten Lack sichtbar.



