Um die Xpress-Alternative geprellt?
Als wahrer Gipfelstürmer des Layout-Olymps war Adobes Neuentwicklung unter dem sinnigen Codenamen «K2» gestartet und wurde als potenzieller Quark-Killer mit Vorschusslorbeeren geradezu überhäuft. Umso tiefer jetzt der Fall: Hatten schon die Mängel der Version 1.0 schwer am Image von InDesign gekratzt, scheint mit der Version 1.5 ein neuer Tiefpunkt erreicht. Denn ausgerechnet bezüglich eines der hauptsächlichen Schwachpunkte, der mangelnden Performance nämlich, bedeutet das Update nochmals einen Schritt zurück. Nur verständlich also, dass sich ein Grossteil der Publishing-Branche jetzt vollends um die Hoffnung auf eine Alternative zu Quark XPress geprellt sieht und entsprechend frustriert reagiert.
Obwohl von der mangelnden Performance dieser Software ebenfalls wenig erbaut, schätze ich persönlich die Perspektiven von InDesign gerade aufgrund der aktuellen Version sehr positiv ein. Das Update zeigt nämlich ganz deutlich, dass Adobe den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht, Programmfehler korrigiert, jedoch keine Kompromisse auf Kosten einer sauberen Softwarearchitektur macht. Auf einen kurzfristigen Erfolg ausgelegte Quick & Dirty-Tricks zur Optimierung der Performance, wie sie sonst die Softwareentwicklung nur allzu häufig prägen, sind hier kein Thema.
Gerade in dieser Beziehung befindet sich Adobe im Gegensatz zur One-Product-Company Quark in einer sehr komfortablen Situation. Der sichere Umsatz mit den etablierten Programmen wie Photoshop, Illustrator und Acrobat erlaubt es, die Entwicklung von InDesign auf ein solides Fundament zu stellen und damit den künftigen Herausforderungen einer sich noch immer stürmisch entwickelnden Branche gewachsen zu sein.
Wir werden diese ganze Entwicklung als Fachzeitschrift mit Spannung verfolgen und sind diesbezüglich ebenfalls daran, uns optimal für die Zukunft zu rüsten. Nachdem ich jetzt beim Publisher seit sieben Jahren als Schreiber, Chefredaktor und Verleger in Personalunion amtiere, scheint mir nach dem erfolgreichen optischen Redesign unserer Zeitschrift auch die Zeit für ein personelles Redesign gekommen.
Ich werde mit der nächsten Ausgabe die Chefredaktion an Felix Moser übergeben, der als langjähriger Webmaster und Redaktor unseren Abonnenten ein Begriff sein dürfte und einen guten Mix aus Kontinuität und «frischem Wind» verspricht. Mir persönlich wird es diese Umstellung erlauben, mich neben der verlegerischen Pflicht wieder vermehrt der Kür des Fachjournalismus im Prepress-Teil unserer Zeitschrift zuzuwenden!
Martin Spaar




