Unix für Mac-OS-X-Anwender
Einladung zum Flirt mit der Unix-Kommandozeile
Wer sich mit Unix auskennt, kann mehr aus seinem Mac herausholen. Berührungsängste sind hier fehl am Platz!DAVID UHLMANN Wie wir in der letzten Ausgabe gesehen haben, zeichnet sich das neue Mac OS X durch eine grosse Stabilität aus, ermöglicht durch ein Zusammenspiel von Multitasking, Mehrbenutzersystem und dynamischer Speicherverwaltung. Der aufmerksame Leser weiss nun auch, dass Unix den Unterbau von OS X darstellt. Was bedeutet das nun in der Praxis? Bringt das Vorteile gegenüber einem anderen System? Dieser Frage wollen wir in diesem Artikel etwas nachgehen.
Das Terminal – Schnittstelle zu was?
In den Programmen, auch gemeinhin als «Applications» bezeichnet, finden Sie einen weiteren Ordner mit dem Namen «Dienstprogramme» oder «Utilities». Das darin enthaltene Programm «Terminal» gibt uns den Zugang zu der «Shell» frei, also zur Kommandozeile in Mac OS X. Die Shell stellt uns Befehle im BSD-System von Mac OS X zur Verfügung. Dieses BSD-Subsystem kann bei der Systeminstallation auf Wunsch weggelassen werden, man kann aber dann keine Befehle aus dem Terminal ausführen. Wenn Sie die Option nicht installiert haben, können Sie dies ganz einfach nachholen, indem Sie CD 1 der Mac-OS-X-Installation einlegen und im Verzeichnis «Optional Installs» das Paket «BSD-Subsystem» anklicken und installieren.
Wenn Sie das Terminal starten, bekommen Sie eine Meldung auf den Bildschirm, die ungefähr so aussieht:
[computername:~] david%
Diese Ausgabe ist die Standardausgabe mit dem Computernamen und dem Benutzer, der angemeldet ist. Wir befinden uns im Pfad des Benutzers, dies wird verdeutlicht, wenn wir ls und Return in die Zeile eingeben. Da der Autor dieses Beitrags diverse Ordner innerhalb von seinem Benutzerverzeichnis angelegt hat, erscheinen diese ebenfalls im Terminal.
Wir sehen also, dass die Inhalte des Ordners «Privat» im Finder und in der Shell weitgehend übereinstimmen. Im Terminal sehen wir diverse unsichtbare Dateien, die auf der Oberfläche nicht dargestellt sind. Nun gehen wir einen Schritt weiter und geben ls –a in unserer Kommandozeile ein. Übrigens: Sie können mit Apfel-N ein neues Terminalfenster öffnen, wie sich auch zwei Finder-Navigationsfenster benützen lassen. Nach der Eingabe sehen wir einige Objekte mehr.
Was haben wir nun gemacht? Wir haben ein Listing mit dem Befehl ls eingegeben. Damit wird der aktuelle Ordnerinhalt aufgelistet. Mit der Option «-a» wird ein weiterer Wunsch vom Terminal ausgeführt, nämlich der Befehl «all»: es werden alle Inhalte aufgelistet. Damit werden die unsichtbaren Objekte, die einen führenden Punkt vor dem Datei- bzw. Ordnernamen haben, ebenfalls angezeigt. Im Finder werden diese nicht angezeigt, da sie eben unsichtbar sind. Als Besonderheit sehen wir ein Objekt mit dem Namen .Trash. Nun machen wir einen weiteren Schritt: Wir erstellen im Finder einen neuen Ordner und ziehen ihn auf den Papierkorb. Dann geben wir im Terminal «cd .Trash» ein. Der Befehl «cd» bedeutet «change directory», auf deutsch «wechsle in das folgende Verzeichnis». Dann machen wir wieder mit der Eingabe «ls» ein Listing. Sie sehen nun den neuen Ordner im Verzeichnis .Trash. Was können wir daraus schliessen? Dass der Papierkorb im Finder (oder besser im Dock) das Verzeichnis .Trash im eigenen Benutzerverzeichnis ist. Muss ja so sein, jeder Benutzer des Mac hat vom Mehrbenutzersystem her einen eigenen Papierkorb. Schliessen Sie nun das Fenster im Terminal mit «Apfel-W» und öffnen Sie gleich ein neues mit «Apfel-N». Nachdem Sie sich vergewissert haben, dass sich im Papierkorb nur Dateien befinden, die auch dort hin gehören, geben Sie den folgenden Befehl ein:
rm -R .Trash
Nun öffnen Sie den Papierkorb im Dock und sehen nichts! Der Papierkorb wurde gelöscht, mit dem ganzen Inhalt darin. Er wird aber vom System gleich wieder erstellt, da ein Papierkorb vorhanden sein muss.
Daraus können wir nun folgende Schlüsse ziehen:
1. Das Terminal ist in OS X integriert. Es ist nicht isoliert zu betrachten. Der Finder und das Terminal greifen auf die gleichen Dateien und Strukturen in unserem Mac zu.
2. Befehle sind nicht schwierig. Wenn Sie darauf achten, die Befehle korrekt zu schreiben, können Sie gar nicht viel falsch machen. Eine falsche Mausbewegung ist öfter der Fall.
3. Der Einsatz des Terminals sollte nicht als ein Nachteil angesehen werden. Im Gegenteil. Es geht aber nicht darum, den Guru zu spielen oder sich selber als Unix-Freak bezeichnen zu können, nein, der Einsatz von wenigen Befehlen in der Kommandozeile hilft bei der täglichen Arbeit.
4. Üben, üben, üben. Schreiben Sie sich die wichtigsten Befehle heraus, gehen Sie in Internet-Foren (z.B. hilfdirselbst.ch) und stellen Sie dort Ihre Fragen zu Befehlen im Terminal. Es ist gar nicht schwierig.
Programme benützen BSD-Subsystem
Es gibt zahlreiche Programme, die auf das BSD-Subsystem zurückgreifen. Unter der Internetadresse www2.dicom.se/cocktail können Sie ein Utility laden, dass in letzter Zeit für Furore sorgte: Cocktail greift auf Scripte und Prozesse zu, die in OS X bereits hinterlegt sind. Daneben gibt es einen Pilot, mit dem Sie die Wartungsaufgaben dem Mac überlassen und gemütlich was anderes in dieser Zeit machen können.
Für die fortgeschrittenen Benutzer gibt es die Möglichkeit, symbolische Links ganz einfach zu erstellen oder erweiterte Netzwerkfunktionen zu hinterlegen. Besonders die Option «Network > DHCP» ist ein sinnvolles Utility: Damit lassen sich neue IP-Nummern vom DHCP-Server anfordern, eine Option, die in OS X gänzlich vergessen gegangen ist.
Wie weiter?
Bei einigen Beispielen mit direkten Eingaben im Terminal haben wir gesehen, dass der Einsatz der Kommandozeile sehr schnell und effektiv ist – allerdings sollte man auch die nötige Vorsicht walten lassen! Daten, die einmal gelöscht wurden, lassen sich in der Regel nicht wiederherstellen. Übung macht den Meister, ausserdem trägt es zu einem besseren Verständnis unseres Betriebssystems OS X bei, wenn wir uns damit auch so auseinander setzen.
Auf der anderen Seite sehen wir, dass findige Entwickler Programme der breiten Öffentlichkeit oft gratis zur Verfügung stellen, die auf die Komponenten des BSD-Subsystems zurückgreifen. Der Benutzer muss sich so nicht mehr jeden Befehl und jede Option merken, sollte aber dennoch wissen, was er macht. Dieses Wissen kann in Form von Literatur angeeignet werden, besonders der O'Reilly-Verlag hat einige sehr empfehlenswerte Werke im Programm. Weitere Infos finden Sie unter www.oreilly.de. Aber auch der Besuch eines Kurses ist eine gute Möglichkeit, die Wissenslücken effizient und richtig zu schliessen. Dabei sollen die Dinge ertastet werden, das Verständnis folgt der richtigen Ausführung. Der Autor gibt Ihnen gerne weitere Auskünfte, Kurse werden beispielsweise von SMI in Zofingen angeboten. In einer Gruppe von Lernenden ist es einfacher, die Materie aufzuarbeiten. Und ganz nebenbei: Der richtige Einsatz, das «Wissen wie» eines Programms und eines Betriebssystems macht einfach Spass.




