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Zwei Monitore unter Windows 2000

Kahlschlag im Paletten-Dschungel

Was bisher ausschliesslich Mac-Anwendern vorbehalten war, ist nun endlich auch unter Windows möglich: Der Einsatz eines zweiten Monitors erlaubt es, den ganzen Paletten­wildwuchs auszulagern und so ohne grosse Investition rationeller zu arbeiten. Marc DätwylerWer kennt es nicht, dieses leidige Problem. Ein halbes Dutzend frei schwebende Paletten sind sicherlich eine feine Sache und erleichtern dem routinierten Grafiker oder Layouter die Arbeit enorm. Gleichzeitig versperren sie jedoch die Sicht auf die Arbeitsoberfläche; vor lauter Fenster und Paletten sieht man buchstäblich das zu bearbeitende Layout beziehungsweise Bild nicht mehr. Abhilfe schaffte unter Windows bisher einzig ein grösserer Monitor.

Mit Windows 2000 wird jetzt anders als bei NT auch der Betrieb von mehreren Monitoren an einem PC unterstützt, ein Feature, das Mac-Anwender schon seit Jahren kennen und im professionellen Umfeld ausgiebig nutzen.

Zweiter Frühling fürausgediente Monitore

Bis zu 10 Grafikkarten soll Windows 2000 verwalten können, sinnvoll arbeiten lässt sich wohl nur mit zwei oder drei Monitoren. Für unseren Test haben wir die bereits aus dem letzten Publisher bekannte Dell Precision Workstation 420 verwendet. Im AGP-Port steckt hier bereits eine «G400 Max» von Matrox. Für den Einbau als zweite Grafikkarte hatten wir drei allesamt etwas in die Jahre gekommene Grafikkarten vorgesehen. Alte Hardware halt, die man noch irgendwo rumliegen hat oder die in einem ausrangierten Rechner brachliegt. Als Zweitmonitor war ein ausgedienter14-Zöller mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixel vorgesehen.

Das Uralt-Modell unter unseren Grafikadaptern, eine Trident-VGA-Karte, die wohl so gegen zehn Jahre auf dem Buckel hatte, liess sich mangels ISA-Slot in der Dell-Workstation nicht testen. Als Nächstes versuchten wir uns mit einer Diamond Stealth 64. Als eine der ersten PCI-Grafikkarten ist dieses Modell noch in vielen älteren Rechnern anzutreffen.

Aktuelle Treiber als Voraussetzung

Die Diamond-Karte wurde von Windows 2000 zwar korrekt erkannt und installiert, trotzdem blieb der zweite Monitor schwarz. Im Gerätemanager ein gelbes Ausrufezeichen; der Treiber wird nicht geladen! Der Grund dafür ist rasch ausfindig gemacht. Der Grafikkartentreiber muss den Betrieb mit einem zweiten Monitor explizit unterstützen. Der Treiber für alte Diamond-Karten tut dies nicht, ein aktualisierter Treiber war auf der Homepage des Herstellers nicht zu finden.

Schon leicht frustriert bauten wir in einem dritten Versuch eine PCI-Grafikkarte vom Typ «Matrox Millennium I» ein, und siehe da: Alles klappte auf Anhieb! Für die Matrox Millennium bringt Windows 2000 demnach einen optimierten Treiber mit.

Einfache Installation

Eine «richtige» Grafikkarte bzw. einen aktuellen Treiber vorausgesetzt, lässt sich ein zweiter Monitor unter Windows 2000 also folgendermassen sehr einfach installieren:

1. Grafikkarte einbauen.

2. Nach der automatischen Installation der Treiber durch Windows 2000 (Plug&Play) und einem Neustart den Desktop auf dem ersten Bildschirm rechtsklicken, um die Einstellungen zur Anzeige zu verändern.

3. Unter Einstellungen sind nun die beiden Displays einzeln anwählbar. Den Monitor mit der Nummer 2 anwählen (siehe Bild).

4. Klick auf «Windows-Desktop auf diesem Monitor erweitern» aktiviert den zweiten Bildschirm.

Die beiden Monitore sind übrigens voneinander völlig unabhängig. Der alte 14-Zöller liess sich mit einer Auflösung von 640 × 480 Punkten und lediglich 256 Farben betreiben, während auf dem 19-Zöller 1280 × 1024 und Truecolor angesagt waren.

Endlich einen aufgeräumten Desktop

Der zweite Desktop kann via Einstellungen frei um den ersten herum positioniert werden. Positioniert man ihn z.B. rechts des primären Desktops, so kann man die Maus über den rechten Rand des Bildschirms hinaus bewegen, und flugs findet man seinen Cursor auf dem zweiten Monitor wieder. Dies ist anfangs vielleicht etwas verwirrend, man gewöhnt sich jedoch sehr schnell daran.

Nun kann man loslegen. Nach dem Photoshop-Start ist der zweite Bildschirm immer noch leer. Mit der Maus schiebt man nun die ganzen Paletten auf den «Kleinen» hinüber. Danach kann man auf dem Hauptbildschirm ein Bild in voller Grösse öffnen, ohne dass einem die Sicht darauf in irgendeiner Weise versperrt würde. Auf dem zweiten Monitor wechselt man zwischen Ebenen oder wählt eine neue Farbe aus. Dies funktioniert hervorragend, sofern man den zweiten Monitor richtig positioniert. Er sollte gleich rechts neben dem Hauptmonitor stehen und so ausgerichtet sein, dass man zum Betrachten den Kopf nicht drehen muss.

Zudem empfiehlt es sich, nicht das älteste Modell zu verwenden. Von der Grösse her reicht ein 14-Zöller zwar aus, das Geflacker bei 60 Hz führt aber schon nach kürzester Zeit zu Kopfschmerzen. Kaum zu glauben, dass man noch vor weniger als zehn Jahren mit solchen Kisten gearbeitet hat ...

Auch andere Programme, die mit einer grossen Anzahl von Paletten arbeiten, profitieren vom zweiten Monitor. Und das Beste: Sind die Paletten einmal platziert, dann erscheinen sie auch bei einem erneuten Programmstart wieder auf dem zweiten Monitor.

Zwei Monitore an einer Grafikkarte

Unser Testgerät war, wie schon erwähnt, mit einer Grafikkarte vom Typ «Millen­nium G400 Max» bestückt. Diese Karte ist eine der wenigen Grafikadapter, die den Anschluss eines zweiten Monitors erlauben. Mit einer solchen DualHead-Karte ist der Betrieb eines zweiten Monitors unabhängig von der Unterstützung durch das Betriebssystem möglich, also beispielsweise auch unter Windows NT 4.0.

Der zweite Bildschirm lässt sich dabei auf zwei Arten nutzen. Er kann als einfaches Abbild des ersten dienen, d.h. das genau gleiche Bild zeigen. Dieser Modus ist weniger für Monitoren als für Projektoren oder TV-Geräte gedacht, die sich ebenfalls mit der «G400» koppeln lassen. So kann beispielsweise eine Präsentation auf einem Beamer gezeigt werden. Es stehen drei Unter-Modi zur Verfügung: DualHead Clone stellt eine genaue Kopie des Hauptbildschirmes dar, DualHead Zoom ermöglicht die vergrösserte Darstellung eines Bildschirmausschnittes und DualHead VideoMax das Abspielen von Videos im Vollbildmodus auf dem zweiten Ausgabegerät.

Nur Synchronbetrieb

Der zweite Modus entspricht weitgehend demjenigen, den wir von den zwei separaten Grafikkarten her kennen. Allerdings werden hierbei beide Monitore mit derselben Auflösung und Farbtiefe angesteuert. Die Darstellung ist in den Auflösungen 800 × 600, 1024 × 768 und 1280 × 1024 möglich. Sinnvoll nutzen lässt sich dieser Modus also nur mit zwei gleich grossen Monitoren. Mit zwei handelsüblichen 17-Zöllern erreicht man damit eine Bildschirm­oberfläche, die grösser ist als diejenige eines 21-Zöllers. Diese Grösse mag verlockend erscheinen, man muss jedoch beachten, dass man mit bildschirm­übergreifenden Fenstern kaum vernünftig arbeiten kann. Am besten ordnet man jede Applikation vollständig auf einem Monitor an.

Diese DualHead-Lösung eignet sich somit gut für Tätigkeiten, bei denen man gleichzeitig mit zwei oder mehr Anwendungen arbeitet. Darunter fällt auch das Webdesign. Während auf einem Monitor mit dem Editor gearbeitet wird, steht der Browser auf dem zweiten Bildschirm stets zum Testen bereit. Fürs Publishing sind zwei grosse Monitore insofern praktisch, als man zwei komplette A4-Seiten nebeneinander anordnen kann, je eine pro Bildschirm. Im DualHead-Modus lassen sich aber wie gesagt keine Auflösungen höher als 1280 × 1024 nutzen, sodass man die teuren 21-Zöller nicht voll ausreizen kann.

Doppelte Freude

Das Fazit unseres kleinen Tests ist eindeutig. Ein zweiter Monitor unter Windows 2000 ist eine wirklich nützliche Sache, die das Arbeiten übersichtlicher und einfacher gestaltet. Wenn es dann auch funktioniert ...

Das Problem: Der Benutzer kann nicht auf einfache Art und Weise herausfinden, ob sein System mit zwei Grafikkarten funktioniert oder nicht. Microsoft hält keine Liste mit unterstützten Grafikkarten bereit. Abhilfe schafft eventuell eine Anfrage beim Hersteller oder in einer Newsgroup.

Als Grundsystem sollte auf jeden Fall ein Rechner neuerer Bauart dienen, der mit einer AGP-Grafikkarte ausgestattet ist. Bei aktuellen Mainboards kann man im BIOS einstellen, ob die AGP- oder eine PCI-Karte als primäres Darstellungsgerät dienen soll. Bei älteren Boards wird dafür automatisch die AGP-Karte ausgewählt. Der Betrieb mit zwei PCI-Karten kann allerdings leicht zu Problemen führen. Das System kann nicht bestimmen, welche Grafikkarte die primäre ist, und zeigt weder auf dem ersten noch auf dem zweiten Monitor ein Bild. Auch Onboard-Grafiklösungen eignen sich in der Regel nicht zum Betrieb mit zwei Monitoren. Das Einstecken einer zusätzlichen PCI-Grafikkarte deaktiviert hierbei typischerweise automatisch den Onboard-Chip.

Als Zweitkarte sollte man eine PCI-Karte nicht allzu alten Datums wählen. Im Prinzip können die Hersteller relativ einfach Grafiktreiber mit Multimonitorsupport schreiben. Bietet also ein Hersteller neue Treiber zu Windows 2000 auf seiner Webseite an, so kann man davon ausgehen, dass der Betrieb eines zweiten Monitors möglich ist.

Wer unter Windows layoutet oder professionell Bilder bearbeitet, der sollte sich die Anschaffung eines zweiten Monitors ernsthaft überlegen. Effizienzgewinne praktisch ohne Kosten und, wenn die oben genannten Details beachtet werden, auch ohne grossen Aufwand, sprechen für sich. Eine DualHead-Karte, an welche zwei grosse Monitore angeschlossen werden, eignet sich hier weniger, zumal diese Lösung auch wesentlich teurer ist und viel Platz auf dem meist ohnehin schon überfüllten Schreibtisch beansprucht.

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